Politik

Mitglied der Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle Mutmaßlicher Islamist verhaftet

Spezialkräfte der GSG 9 nehmen in Bochum einen 27-jährigen Deutschen fest. Er soll der Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle angehören. Nach der Festnahme der übrigen Mitglieder soll er Anschlagspläne weitergeführt haben. Zudem werden etliche Wohnungen durchsucht, Waffen oder Sprengstoff werden aber nicht gefunden.

Beamte von Bundeskriminalamt und GSG 9 haben in Bochum einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen festgenommen. Der 27-Jährige soll Mitglied der sogenannten sein, die der Terrororganisation Al-Kaida zugerechnet wird. Bisher gebe es aber keine Hinweise auf konkrete Anschlagsvorbereitungen oder -ziele, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Er widersprach Berichten über mögliche Pläne für einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt.

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Ein GSG-9-Mitglied bei einer Einsatzübung.

(Foto: REUTERS)

Die Polizei kontrollierte derweil weiterhin ein Wohnheim in der Nähe der Ruhr-Universität. Studenten, die das Gebäude im Wohn- und Einkaufszentrum Unicenter betreten wollen, müssen sich ausweisen, berichteten Augenzeugen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte, die Festnahme mache klar, dass die Gefahr durch islamistische Terroristen nicht gebannt sei. "Der Fall zeigt, dass Deutschland und Europa weiter im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus sind", sagte der CSU-Politiker am Rande der Innenministerkonferenz in Wiesbaden. "Wir tun deswegen gut daran, wachsam auch in der Zukunft zu bleiben." Zur Festnahme habe auch die Hilfe von "ausländischen Partnerorganisationen" beigetragen, sagte Friedrich.

Wohnungen und Ladenlokale durchsucht

Bei der groß angelegten Polizeiaktion mit rund 150 Beamten wurden insgesamt 18 Wohnungen und Ladenlokale in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig Holstein durchsucht. Drei mutmaßliche Terroristen der "Düsseldorfer Zelle" waren bereits Ende April festgenommen worden. Sie sollen einen Bombenanschlag geplant haben. Rädelsführer des Trios soll der Marokkaner Abdeladim Al-K. sein, der den Ermittlungen zufolge im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Anfang 2010 im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet wurde.

Es habe Hinweise gegeben, dass der nun festgenommene Halil S. die Terrorpläne habe fortsetzen wollen, so ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Er soll sich gefälschte Papiere beschafft und unter falschem Namen mehrere Wohnungen im Ruhrgebiet für die Vorbereitung eines Attentats angemietet haben. Bislang seien aber weder Sprengstoff noch Waffen gefunden worden.

Der mutmaßliche Terrorist soll bereits seit Juli unter Beobachtung der Ermittler gestanden haben. Gemeinsam mit anderen Verdächtigen soll er sich über Betrügereien auf der Internetplattform Ebay Geld für seine Terrorpläne beschafft haben. Ein mutmaßlicher Mitbetrüger wurde in Kiel festgenommen. Diesem ging es aber wohl nur ums Geld - von den terroristischen Ambitionen seines Komplizen soll er nichts gewusst haben.

Für Geld und Logistik verantwortlich

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll der 27-Jährige im Frühjahr vom Kopf der Düsseldorfer Zelle für einen geplanten Anschlag rekrutiert worden sein. Er sollte vor allem für die finanzielle und logistische Absicherung des Attentats verantwortlich sein. Als seine Mitkämpfer versuchten, in einer Düsseldorfer Wohnung einen Bombenzünder herzustellen, ließ die Bundesanwaltschaft Ende April drei mutmaßliche Mitglieder der Gruppe festnehmen.

Nach Informationen des SWR soll sich Halil S. zwei Tage nach der Festnahme der anderen bei Ebay ein Gerät zum Aufspüren von Abhörwanzen bestellt haben. Der Chef der Gruppe soll vor seiner Verhaftung den Auftrag erteilt haben: "Brüder, lasst uns die Arbeit zu Ende führen!"

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts