Politik

Truppen-Verlegung läuft bereits Nato zieht Teil ihrer Soldaten aus Irak ab

Wegen der Spannungen im Nahen Osten zieht nun auch die Nato einen Teil ihrer Soldaten aus dem Irak ab. Die Entscheidung kommt überraschend. Die Verlegung der ersten Einheiten ist bereits im Gange. Erst wenn die Lage sich beruhigt, sollen die Truppen zurückkehren.

Nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär wird die Lage im Irak auch für die Nato offenbar zu unsicher. Ein Teil der 500 Soldaten, die derzeit unter Nato-Kommando im Irak Sicherheitskräfte ausbilden, wird aus dem Land abgezogen, bestätigte ein Nato-Sprecher Informationen des "Spiegel". Der Abzug laufe bereits; ein kroatisches Kontingent wurde inzwischen nach Kuwait verlegt, meldete das Blatt.

"Die Sicherheit unseres Personals ist von größter Wichtigkeit", erklärte ein Nato-Mitarbeiter dem Bericht zufolge. Deshalb habe man sich zu einer "vorübergehenden Verlegung eines Teils des Personals an unterschiedliche Orte sowohl innerhalb als auch außerhalb des Iraks" entschieden. Genauere Details könne man aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Die Nato werde ihre Präsenz in dem Land aber beibehalten.

Das Bündnis hatte den täglichen Trainingseinsatz bereits ausgesetzt, nachdem der US-Angriff auf Soleimani die Spannungen in der Region massiv verschärft und das irakische Parlament die Regierung aufgefordert hatte, alle ausländischen Soldaten des Landes zu verweisen. Kurz zuvor hatte die Bundeswehr bereits bekannt gegeben, einen Großteil ihres Kontingents aus dem Irak abzuziehen.

Stoltenberg betont Bedeutung des Kampfes gegen den IS

Die Nato-Entscheidung zum Teilabzug kam am Nachmittag dennoch überraschend, da Generalsekretär Jens Stoltenberg nur wenige Stunden zuvor in einem Telefonat mit Iraks Regierungschef Adil Abd Al-Mahdi die Bedeutung der Mission im Kampf gegen den IS betont hatte. Im Gespräch mit Mahdi habe der Norweger betont, dass sich die Alliierten dem derzeit ausgesetzten Ausbildungseinsatz im Irak sehr verpflichtet fühlten und dieser dabei helfe, eine Rückkehr der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu verhindern, sagte Nato-Sprecher Piers Cazalet.

Das Militärbündnis hatte am Wochenende lediglich beschlossen, die Truppenausbildung vorübergehend auszusetzen. Grundsätzlich solle die Mission jedoch weitergehen. Irakische Soldaten wurden von der Nato bisher insbesondere in der Entschärfung von Sprengsätzen, der Instandhaltung und medizinischer Versorgung geschult. Zudem berät die Nato das irakische Verteidigungsministerium und andere Sicherheitsbehörden. Der Nato-Einsatz läuft seit 2017 und umfasste zuletzt rund 500 Soldaten, die meisten aus Kanada.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP