Politik

650 Kilometer für Flüchtlinge Neue Rechte will bei Lichterkette mitmischen

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Ein Licht für Menschen auf der Flucht statt autoritärer Schuldzuweisungen ist das Ziel der Lichterketten-Veranstalter.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bürger, Vereine, Kirchen: Die öffentliche Resonanz und Bereitschaft zur Teilnahme an der geplanten Lichterkette zwischen München und Berlin überrascht selbst die Veranstalter. Doch auch zweifelhafte Gruppen versuchen, die Strahlkraft des Events für sich zu nutzen.

Die für Samstag geplante Lichterkette zwischen Berlin und München droht von der oftmals als neurechts bezeichneten Mahnwachenbewegung unterwandert zu werden. Für Horst Fallenbeck, Organisator und Ideengeber, wird damit das eigentliche Ziel der Aktion konterkariert. Er möchte mit der Kette ein Zeichen für eine Willkommenskultur und gegen die Angst vor Flüchtlingen setzen.

Für eine durchgehende Kette avisiert der Betreiber eines Tierhotels eine Person pro Meter, es braucht also 650.000 Teilnehmer für die 650 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Metropolen. Das ist wohl kaum zu schaffen, aber warum nicht groß denken? Immerhin sollen bisher schon 200.000 Menschen auf der Internetseite der Aktion zugesagt haben.

Wer und mit welchem Anliegen sich alles in die Kette stellt, das ist kaum zu überprüfen. Doch scheinbar wurde schon bei den Mitorganisatoren nicht genau hingeschaut.

Für die Durchführung vor Ort der in zwölf Abschnitte unterteilten Strecke sind jeweils eigene Teams verantwortlich. Anfang der Woche wies das Nürnberger Aktivistenbündnis NoNügida auf seiner Facebook-Seite darauf hin, dass es sich bei dem Berliner Team um die Gruppe "Friedensfusion" handelt, die der neurechten Mahnwachenbewegung zugerechnet wird. 

Sabotage befürchtet

Fallenbeck reagierte entsetzt. „Bis vor ein paar Tagen hatte ich keine Ahnung davon, dass es diese Strömung überhaupt gibt“, sagte der 44-Jährige der Tageszeitung. Nachdem er sich über sie informiert hatte, steht für ihn nun fest: "Diese Leute stehen für eine menschenverachtende Ideologie, mit der ich nichts zu tun haben will."  

Die sich stets pazifistisch gebenden Mahnwachenanhänger können die Ausladung scheinbar nur schwer verkraften. Man sieht sich weiter für den Berliner Streckenabschnitt zuständig. Fallenbeck berichtet von Droh-Anrufen und -SMS. "Mittlerweile betreiben diese Leute Sabotage, indem sie falsche Routen und Fehlinformationen zur Aktion streuen".

Eine Absage der Kette kommt für ihn dennoch nicht infrage. In Berlin habe sich mittlerweile ein neues Orgateam gebildet, das den letzten Streckenabschnitt betreut. Wer sich dort alles einreiht, wird sich Samstag zeigen. Die Veranstalter sind weiter zuversichtlich. Es wäre dann nicht nur die längste Lichterkette der Welt, sondern auch die mit den meisten Teilnehmern. Den bisherigen Rekord hält München: 1992 fanden sich 400.000 Menschen zusammen, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu protestieren.

Quelle: ntv.de, dka