Politik

FFF bei "Klamroths Konter" "Niemand kann uns mehr ignorieren"

Am kommenden Freitag ruft "Fridays for Future" zum großen Klimastreik auf. Dies sei "ein ganz, ganz großer gesellschaftlicher Schritt", sagt Klimaaktivistin Carla Reemtsma bei "Klamroths Konter". Gleichzeitig fordert sie Konzepte der Parteien für den Strukturwandel - und erwartet wenig vom Klimakabinett.

Die Klimaaktivistin Carla Reemtsma von "Fridays for Future" bezeichnet den bundesweiten Großstreiks am Freitag als "entscheidenden Tag" für die Klimabewegung. Man streike in 500 Orten in Deutschland, das habe es in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. "Ich glaube, dass das ein ganz, ganz großer gesellschaftlicher Schritt ist", sagte sie in der Sendung "Klamroths Konter" bei n-tv. "Niemand kann uns mehr ignorieren, man kann uns nicht mehr kleinreden."

Tausend Unternehmen, Gewerkschaften und die Kirchen würden mit "Fridays for Future" zum Streik aufrufen. Dass die überwiegende Zahl der Dax-Konzerne sich nicht an dem Klimastreik beteiligt, überrascht die 21-Jährige indes nicht. "Für manche Konzerne ist es nur konsequent zu sagen: 'Wir machen es nicht.' Ich fände es sehr, sehr komisch, wenn gewisse Konzerne zum Streik aufrufen würden", sagte sie mit Verweis auf den Autobauer Volkswagen, der den Abgasskandal noch nicht aufgearbeitet habe.

Gleichzeitig schickt sie einen Appell an alle: "Werdet kreativ, wartet nicht darauf, dass euer Unternehmen sagt: 'Wir streiken', sondern guckt, was ihr selber mitmachen könnt." Jede einzelne Person helfe. Reemtsma studiert Politik und Wirtschaft in Münster. Dort engagierte sie sich von Anfang an in der "Fridays for Future"-Bewegung, die vor etwa einem Jahr von der Schwedin Greta Thunberg initiiert wurde.

Von Moderator Louis Klamroth auf Kritik an Greta Thunbergs Segelreise in die USA angesprochen, die mehrere Flüge der Segelcrew auslöste, verweist Reemtsma auf ein grundlegendes Problem: "Diese unglaubliche Fokussierung auf individuelles Handeln wird uns nicht weiterbringen, um die Klimakrise zu lösen. Es zeigt, wie unmöglich es ist, in dem aktuellen System, in dem wir leben, klimafreundlich zu leben." Auf diesen Aspekt müsse man sich viel mehr fokussieren. Beim Thema Klima werde immer noch "individuelles Handeln und Verzicht, Verzicht, Verzicht gepredigt".

Inlandsflüge sind "komplett unnötig"

"Wir brauchen nicht Flugscham, wir brauchen Gesetze", sagte Reemtsma weiter, die Inlandsflüge in Deutschland als "komplett unnötig" bezeichnet. Wenn Flüge billiger seien als Bahnfahrten, brauche man eine Regierung, die einschreitet. "Es ist Aufgabe der demokratischen Parteien, zu sagen: Was sind unsere Konzepte, wie sehen unsere Konzepte so aus, dass wir alle Leute mitnehmen. Wie sieht ein Konzept aus, um die Lausitz mitzunehmen und alle Leute, die dort in der Braunkohle arbeiten."

Gleichzeitig fordert Reemtsma einen früheren Kohleausstieg im Jahr 2030. Den von der Kohlekommission vorgeschlagenen Termin 2038 lehnt sie ab. "Wenn wir nicht im Verkehr oder so extrem mit den Emissionen runtergehen, werden wir mit dem Kohleausstieg 2038 das Klimaziel von Paris nicht einhalten können." Das könne nicht sein, weil man dann Verträge breche, die die Lebensgrundlage für künftige Generationen sichern.

Vom Klimapaket der Bundesregierung, das am Freitag verabschiedet werden soll, erwartet Reemtsma keinen großen Wurf. "Die Hoffnung ist ja für die nächsten drei Tage noch da", sagte sie. Jedoch stünden sich da Interessen diametral gegenüber. "Wir haben ein Paket, das nach und nach raussickert, und ganz viele Einzelmaßnahmen, die noch kein richtiges Gesamtkonzept ergeben", sagte die Klimaaktivistin. Was klar sei: "Wir werden nicht nur mit einem CO2-Preis von maximal 30 Euro und ein bisschen Steuersenkung für die Bahn, und dann aber einer Erhöhung der Pendlerpauschale weiterkommen."

Die Sendung "Klamroths Konter" läuft heute abend um 23.30 Uhr bei n-tv und Mittwoch um 17.30 Uhr.

Klamroths Konter

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Quelle: n-tv.de, mli

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