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Beträchtliche Summe Nizza-Attentäter leerte rechtzeitig sein Konto

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Rechnete der Attentäter von Nizza damit, dass er den Anschlag nicht überleben würde?

(Foto: AP)

Die Familie in Tunesien freute und wunderte sich zugleich: 100.000 Euro bekam sie von ihrem in Nizza lebenden Verwandten - eine ungewöhnlich hohe Summe. Kurz darauf machte der 31-Jährige seinem nahen Umfeld ein Geständnis.

Der Attentäter von Nizza soll in der Woche vor der Bluttat sein gesamtes Geld abgehoben haben. Das berichtet die französische Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Tag vor dem Terrorakt soll er sein Auto verkauft haben. Außerdem habe er seinem näheren Umfeld seine Radikalisierung gestanden.

In der britischen Boulevardzeitung "Daily Mail" heißt es, der Attentäter habe rund 100.000 Euro seiner Familie in Tunesien auf illegalem Weg zugeschickt. Das sagte der Bruder des 31-jährigen Tunesiers in einem Interview. Die Familie sei fassungslos gewesen über die Höhe der Summe. Bis dahin habe er stets nur kleine Beträge geschickt.

Die Ermittler befragten am Wochenende zahlreiche Zeugen und werteten Material aus, das in der Wohnung des Attentäters gefunden worden war. Dabei stellten sie fest, dass er schon am 12. und 13. Juli die Strandpromenade von Nizza mit dem gemieteten 19-Tonner abfuhr, mit dem er dann am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, in die feiernde Menge fuhr.

Per SMS "mehr Waffen" verlangt

Mindestens 84 Menschen sind dabei getötet worden. Nach jüngsten Angaben wurden 303 Menschen verletzt. 85 liegen noch im Krankenhaus, 18 schweben in Lebensgefahr. Wegen eines Feuerwerks und Konzerten war die berühmte Strandpromenade eigentlich für den Autoverkehr gesperrt. Der Täter konnte erst nach zwei Kilometern gestoppt werden und wurde von Polizisten erschossen.

Sieben Personen sind im Zusammenhang mit dem Anschlag inzwischen festgenommen worden; eine davon, die Ex-Frau des Attentäters, ließ die Polizei nach mehreren Verhören wieder frei. Am Samstag bekannte sich die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag.

Die Behörden versuchen herauszufinden, ob der Attentäter Beziehungen zu radikalen Islamistengruppen hatte oder alleine handelte. Er war bislang als Kleinkrimineller, aber nicht als radikaler Muslim aufgefallen. Französische Fernsehsender melden, der Attentäter habe kurz vor dem Anschlag per SMS "mehr Waffen" verlangt. Die SMS soll an einen der Männer geschickt worden sein, die nun festgenommen wurden.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

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