Politik

Gewaltsame Unruhen in Baltimore Obama fordert USA zu "Gewissenskampf" auf

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Ein Zeichen gegen die Gewalt in Baltimore: Zwei Hautfarben reichen sich die Hand.

(Foto: REUTERS)

Wieder ein toter Schwarzer, Krawalle - und Barack Obama, der sich dazu äußern muss. Der US-Präsident bleibt vorsichtig, was die Behandlung von Afroamerikanern durch die Polizei betrifft. In Richtung der Randalierer in Baltimore formuliert er dagegen deutliche Worte - und für das Land eine Aufgabe.

US-Präsident Barack Obama hat die schweren Ausschreitungen in Baltimore wegen des Todes eines Schwarzen im Polizeigewahrsam scharf verurteilt. Für die Krawalle gebe es "keine Entschuldigung", sagte Obama bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Wenn Menschen Brecheisen nehmen und Türen aufstemmen, um zu plündern, dann demonstrieren sie nicht. Sie stehlen." Die "sinnlose Gewalt und Zerstörung" durch die Randalierer sei "kontraproduktiv", sagte er. Es handle sich um eine Handvoll von Menschen, die wie Kriminelle behandelt werden müssten.

Den Angehörigen des in Polizeigewahrsam verstorbenen Freddie Gray sprach Obama sein Beileid aus. "Wir als Land müssen einen Gewissenskampf austragen. Das ist nicht neu. So geht es seit Jahren", sagte er.

In der Ostküstenstadt ist es derzeit ruhig. Bereitschaftspolizisten patrouillieren auf den Straßen der Großstadt im US-Bundesstaat Maryland. "Diese Gewalt wird nicht toleriert", sagte Marylands Gouverneur Larry Hogan, als er die Einsatzkräfte am Tag nach den Krawallen besuchte. Die Schulen in Baltimore blieben aus Sicherheitsgründen geschlossen. Freiwillige Helfer räumten notdürftig auf.

Im Anschluss an die Trauerfeier für den jungen Schwarzen Freddie Gray hatten Randalierer am Montag Polizisten mit Steinen und Flaschen angegriffen. Mehr als 140 Autos und 15 Gebäude brannten, mehr als 200 Menschen wurden festgenommen. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus und verhängten eine einwöchige nächtliche Ausgangssperre. Die Sperrstunden sollen helfen, die Lage zu beruhigen, ebenso wie bis zu 1000 Nationalgardisten.

Obama: Neues Problembewusstsein durch das Internet

Präsident Obama zeigte aber auch Verständnis für die Sorgen der afroamerikanischen Bevölkerung angesichts der jüngsten Fälle tödlicher Polizeigewalt. Bei "zu vielen Gelegenheiten" hätten Polizisten "vornehmlich Afroamerikaner" in einer Weise behandelt, die "beunruhigende Fragen" aufwerfe. "Ich glaube, wir als Land müssen in uns gehen", sagte er. Obama sprach im Zusammenhang mit der Benachteiligung von Afroamerikanern durch die Polizei von einer "Krise", die keineswegs neu sei. Durch Videoaufnahmen und soziale Netzwerke im Internet sei aber ein "neues Bewusstsein" für das Problem entstanden.

Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Die genauen Umstände seiner schweren Rückenmarksverletzungen sind unklar. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten Gray bei der Festnahme am 12. April zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Krankenhaus ins Koma, eine Woche später starb er.

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP/dpa

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