Politik

Ungarn schottet sich weiter ab Orbán plant schon den nächsten Zaun

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Hunderte Migranten warten an der serbisch-kroatischen Grenze bei Sid.

(Foto: REUTERS)

Der Zaun zwischen Ungarn und Serbien ist gerade erst fertig geworden, der nächste an der viel längeren Grenze zu Rumänien in Arbeit, da kündigt Victor Orbán eine weitere Maßnahme zur Grenzsicherung an.

Nach Schließung der ungarisch-serbischen Grenze öffnet sich eine andere Tür nach Westeuropa: Der Flüchtlingsstrom bahnte sich einen neuen Weg über Kroatien. Hunderte Menschen versuchten, über Getreidefelder an der serbisch-kroatischen Grenze bei Sid in das EU-Land zu gelangen.

Um alle Flüchtlinge aus seinem Land zu halten, fasst Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán auch den Bau einer Sperranlage entlang der Grenze zu Kroatien ins Auge. Dass die Grenze zu Serbien dicht sei, halte die Schleuser nicht davon ab, die Flüchtlinge über andere Routen, etwa über Rumänien, in die Europäische Union zu bringen, sagte Orbán der französischen Zeitung "Le Figaro".

"Deshalb haben wir uns entschlossen, auch an der Grenze nach Rumänien, entlang des Flusses Mures, einen Grenzzaun zu errichten. Und wir werden wahrscheinlich einen weiteren entlang der kroatischen Grenze bauen", sagte Orbán weiter. "Wir folgen ihren Spuren." Tatsache sei, dass die Flüchtlinge weiterhin in die EU "strömen", fuhr der rechtspopulistische Regierungschef fort. "Uns gelang es, sie an der ungarischen Grenze zu stoppen, doch hat das den Zustrom selbst nicht gestoppt".

Während Ungarn sich immer weiter abschottet, hatte Kroatien allen Flüchtlingen freie Passage auf ihrem Weg in den Westen Europas zugesagt. Tags zuvor hatte Budapest bereits einen weiteren Zaun an der Grenze zum EU-Land Rumänien angekündigt.

Mit Tränengas gegen Flüchtlinge

Am Mittwoch eskalierte die Lage an der serbisch-ungarischen Grenze. Nach schweren Zusammenstößen am Grenzübergang Röszke drängten dutzende Flüchtlinge am Abend die ungarische Polizei zurück und drangen zeitweise auf ungarisches Gebiet vor. Die Polizisten zogen sich ein Stück zurück und schossen Tränengasgranaten auf die Menge ab. 

Die Flüchtlinge warfen mit Steinen und Flaschen auf die Bereitschaftspolizei, bis sie schließlich losstürmten. Bei den Ausschreitungen wurden nach jüngsten offiziellen Angaben 14 Polizisten verletzt. Über Verletzte auf Seiten der Flüchtlinge gab es zunächst keine Angaben.

Orbán entsetzt über de Maizière

Orbán sprach sich derweil erneut gegen Flüchtlings-Pflichtquoten für die EU-Mitgliedsstaaten aus, da diese "gegen die vitalen Interessen" aller EU-Länder seien. Dabei bezeichnete er das Quotensystem selbst als Problem. "Die Europäer verstehen nicht, wie die Menschen denken. Wenn Flüchtlinge im Nahen Osten hören, dass Europa Quoten einführt, verstehen sie es als Einladung zu kommen."

Enttäuscht äußerte sich Orbán über die Drohung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Ungarn könnten Finanzmittel der EU entzogen werden, falls es keine verbindliche Quotenregelung akzeptiere. "Das ist der Ton brutaler Machtanwendung."

Quelle: ntv.de, dsi/rts/dpa