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40.000 Flüchtlinge in zwei Tagen Osteuropäer verweigern Deutschland Hilfe

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An den Grenzen auf dem Balkan sind Tausende Flüchtlinge dem Wetter und Gewalt der Sicherheitskräfte ausgesetzt.

(Foto: REUTERS)

An diesem Wochenende dürften noch einmal doppelt so viele Flüchtlinge in Deutschland eintreffen wie am vergangenen. Hilfe der EU-Partner ist nicht in Sicht. Außenminister Steinmeier blitzt mit der Bitte um Solidarität bei den Nachbarn im Osten ab.

Die Bundesregierung rechnet an diesem Wochenende mit Zehntausenden neuen Flüchtlingen - auf europäische Solidarität kann sie bei der Bewältigung der humanitären Herausforderung nicht zählen. "Ich habe gerade die letzten dramatischen Zahlen bekommen: Wir erwarten allein für die nächsten zwei Tage, am Wochenende, circa 40.000 Flüchtlinge aus den südlichen und südöstlichen Nachbarländern", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Prag. Er warb dort vergeblich bei seinen mittelosteuropäischen Kollegen für ein festes Quotensystem zur gerechteren Verteilung der Menschen in der EU.

Die für das Wochenende erwarteten Zahl der Neuankömmlinge ist rund doppelt so hoch wie am vergangenen Wochenende, als die Bundesregierung in Absprache mit Wien und Budapest beschlossen hatte, Tausenden Flüchtlingen aus Ungarn die Einreise ohne bürokratische Hürden und Kontrollen zu erlauben. Daraufhin waren bis Montag rund 20.000 Migranten nach Deutschland gekommen.

Steinmeier sagte bei dem Außenministertreffen in Prag: "Es handelt sich um die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Europäische Union in ihrer Geschichte. Wir sind hier auf europäische Solidarität angewiesen." Trotz der großen Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung würden "die Möglichkeiten bei uns immer enger".

Tausende auf der "Balkanroute"

EU-Ratspräsident Donald Tusk drohte mit der Einberufung eines Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs noch im September. Das gelte für den Fall, dass es beim Innenministertreffen an diesem Montag in Brüssel keine "konkreten Zeichen von Solidarität und Einheit" geben sollte. Angesichts des entschlossenen Neins der Osteuropäer zu einer Quotenregelung gilt eine Einigung am Montag als aussichtslos.

Über die Balkanroute drängen immer mehr Flüchtlinge nach Westeuropa. Österreich sperrte am Freitagmorgen die Autobahn an einem Grenzübergang zu Ungarn. In der Nacht hatten dort bei Nickelsdorf wieder mehr als 2000 Flüchtlinge die Grenze überquert. Der Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn bleibt vorerst ausgesetzt. Auch südlich von Ungarn sind Tausende Menschen unterwegs in Richtung Norden.

In Serbien wurden allein am Donnerstag 5540 Menschen registriert, wie Regierungschef Aleksandar Vucic berichtete - ein neuer Tagesrekord. Bisher waren im Schnitt nicht mehr als 2000 Migranten aus Mazedonien in Serbien angekommen.

Bundesländern warnen vor Kollaps

Ungarn kündigte ein hartes Durchgreifen gegen Flüchtlinge angekündigt. Falls die Regierung den Krisenfall ausrufe, werde jeder illegale Einwanderer "sofort verhaftet", sagte Ministerpräsident Viktor Orban in Budapest.

Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums kamen seit Montag ungefähr 16.000 Flüchtlinge bei Nickelsdorf über die ungarische Grenze. Sie werden dort erstversorgt und unter anderem mit Bussen weiter Richtung Wien gebracht. Auch der Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn soll am Wochenende wegen "massiver Überlastung" weiter eingestellt bleiben, wie die Österreichischen Bundesbahnen mitteilten.

Die Innenminister der Bundesländer warnten vor wachsenden Engpässen. "Wir wissen, dass auch unsere Aufnahmemöglichkeiten an Kapazitätsgrenzen stoßen werden", sagte der Chef der Innenministerkonferenz, der rheinland-pfälzische Ressortchef Roger Lewentz. "Wir brauchen Flächen, damit es eben nicht zu einem Kollaps kommt."

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts

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