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Studie: 800 Kliniken sollen weg Patientenschützer warnen vor Schließungen

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Die Bundesärztekammer erklärte, es sei mehr als befremdlich, pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern zu fordern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland kann geschlossen werden, zumindest ergibt das eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Jetzt melden sich Patientenschützer, die Bundesärztekammer und auch das Gesundheitsministerium dazu. Sie kritisieren die Aussagen scharf.

Patientenschützer und Ärztevertreter warnen vor der flächendeckenden Schließung von Krankenhäusern in Deutschland. Die in einer Bertelsmann-Studie empfohlene Schließung von mehr als der Hälfte aller Kliniken wäre ein "Kahlschlag", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Das mag wissenschaftlich begründet sein, wäre für die Menschen aber verheerend."

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Patientenschützer Eugen Brysch warnt vor den Folgen, wenn weniger Krankenhäuser zur Verfügung stehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zuvor hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht, in der für eine Schließung von 800 der 1400 Kliniken in Deutschland plädiert wird. Denn viele Krankenhäuser seien zu klein und verfügten nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung. Viele könnten lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall nicht angemessen behandeln. Eine Verringerung könnte demnach viele Komplikationen und Todesfälle vermeiden.

Es gehe aber nicht immer nur um komplizierte Operationen mit Maximalversorgung, betonte Patientenschützer Brysch. Vielmehr müssten auch die Patienten gut behandelt werden, die keine Maximaltherapie benötigen und dennoch ins Krankenhaus gehen müssen. Zu dieser Gruppe gehörten besonders alte, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen. Schließlich machen die schon heute mehr als 60 Prozent der Krankenhauspatienten aus.

Dazu werde eine gut erreichbare Grundversorgung vor Ort ebenso wie eine Hochleistungsmedizin in der Region benötigt. "Hier ist es Aufgabe von Bund und Ländern, einen Zukunftsplan Krankenhausversorgung zu entwickeln." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn müsse das Thema ganz oben auf seine Agenda setzen.

Bundesländer sind für Krankenhausplanung zuständig

Das Bundesgesundheitsministerium reagierte bislang eher zurückhaltend auf die Bertelsmann-Studie. "Wir haben diese Studie zur Kenntnis genommen und schauen uns die genauer an", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Sie verwies darauf, dass für die Krankenhausplanung die einzelnen Bundesländer verantwortlich seien. Diese müssten eine "bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung" sicherstellen.

Grundsätzlich habe Deutschland im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viele Krankenhausbetten und Kliniken. Es gehe aber nicht nur "um die schiere Anzahl von Häusern", sondern "vor allem eine erreichbare und qualitativ hochwertige Versorgung". Erst Anfang Juli hatte Gesundheitsminister Spahn die finanzielle Unterstützung von Krankenhäusern in ländlichen Regionen zugesichert. "Regionale Krankenhäuser sind eine wichtige Anlaufstelle“, so Spahn. Daher werde man Krankenhäuser in ländlichen Regionen, zu denen es in erreichbarer Nähe keine Alternative gebe, künftig pauschal mit 400.000 Euro im Jahr bezuschussen.

"Mehr als befremdlich"

Die Bundesärztekammer verwies darauf, dass die von der Bundesregierung eingesetzte "Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse" gerade erst die Bedeutung einer gut erreichbaren, wohnortnahen Gesundheitsinfrastruktur herausgestellt habe. "Da ist es schon mehr als befremdlich, wenn die Bertelsmann-Stiftung jetzt pauschal die Schließung von 800 Krankenhäusern fordert", erklärte Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt.

In Ballungsgebieten mit erhöhter Krankenhausdichte könne es durchaus sinnvoll sein, dass Ärzte und Pflegepersonal in größeren Strukturen Patienten behandeln. Dadurch könnten Abläufe vereinfacht und die zunehmende Arbeitsverdichtung gemildert werden. Aber "gerade im ländlichen Raum müssen wir die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherstellen".

Quelle: n-tv.de, joh/AFP/dpa