Politik
Um ihren Alltag zu meistern, sind Bewohner von Pflegeheimen auf Hilfe angewiesen.
Um ihren Alltag zu meistern, sind Bewohner von Pflegeheimen auf Hilfe angewiesen.(Foto: imago/photothek)
Donnerstag, 01. Februar 2018

"Verbesserungen notwendig": Pflege in Deutschland weist Missstände auf

Von Finn Tönjes

Was läuft in der Pflege gut, was falsch? Der fünfte Qualitätsbericht der Kassen attestiert einen insgesamt positiven Trend. Dennoch bleiben viele Baustellen - und diese betreffen Pflegebedürftige wie Angehörige gleichermaßen.

Im neuen Qualitätsbericht stellen Spitzenverbände der Krankenkassen dem deutschen Pflegewesen ein gutes Zeugnis aus - trotz gravierender Missstände. Positiv sehen die Verbände etwa die Entwicklung zur Prophylaxe von Sturzunfällen. Neun von zehn Heimen erfüllen hierbei die Kriterien. Außerdem hat sich die Vorbeugung von Druckgeschwüren im Vergleich zum vorherigen Bericht verbessert.

Neben den positiven Entwicklungen stellten der Medizinische Dienst der Krankenkassen, kurz MDK, sowie der Lobbyverband der Krankenkassen erhebliche Mängel in der Pflege fest. Streitpunkt bleibt die Anwendung freiheitseinschränkender Maßnahmen. Einerseits sind sie notwendig, damit Personen nicht aus ihren Betten fallen und sich Verletzungen zuzuziehen. Andererseits stellen diese Methoden massive Verletzungen der persönlichen Freiheit dar. Laut Bericht werden noch immer knapp neun Prozent der Bewohner von Pflegeeinrichtungen unter Anwendung von Bauchgurten und anderer Mittel fixiert. Das sind immerhin 65.000 Personen. MDS-Geschäftsführer Peter Pick betont, dass die Anwendung dieser Methoden weiter reduziert werden müsse.

Auch in der Wundversorgung gibt es noch Besserungsbedarf.
Auch in der Wundversorgung gibt es noch Besserungsbedarf.(Foto: imago/blickwinkel)

Problematisch bleibt ebenfalls die Wundversorgung. Aus dem Bericht geht hervor, dass knapp 13 Prozent der pflegebedürftigen Menschen keine angemessene Wundbehandlung erhalten. "Die Berichtergebnisse zur Versorgungsqualität zeigen, dass weitere Verbesserungen notwendig sind", meint Pick. Zur Wundversorgung gehören die Einhaltung hygienischer Grundsätze sowie Druckentlastungen, um Geschwüre zu verhindern.

Der Bericht macht außerdem auf Unregelmäßigkeiten in der Abrechnung aufmerksam. Pflegedienste stellten Leistungen in Rechnung, die sie entweder nur teilweise oder gar nicht ausführten. Prüfer gaben an, bei mehr als einem Drittel der Dienste eine einmalige Unregelmäßigkeit festgestellt zu haben. Der Bericht gibt keinen Hinweis darauf, ob es sich dabei um bürokratische und somit versehentliche Fehler oder um vorsätzlichen Betrug handelt. Fast sieben Prozent der untersuchten Pflegedienste zeigten mehrfache Auffälligkeiten in der Abrechnung. Damit behandelt der Bericht ein Thema, das unmittelbar Angehörige betrifft, weil diese meist für die Unterbringung und die Dienste aufkommen. Knapp 65 Prozent der Pflegedienste wiesen keine Unregelmäßigkeiten auf.

Mangelware Pflegepersonal

Um Probleme in der Versorgung zu beseitigen, benötigt das Pflegewesen mehr Mitarbeiter. Während die Zahl der dementen und mehrfach erkrankten Bewohner laut Pflegebericht steige, stagniert die Zahl des Pflegepersonals. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil der Pfleger im fortgeschrittenen Alter ist. SPD und Union stellen in den Koalitionsverhandlungen in Aussicht, 8.000 zusätzlich Pflegestellen zu schaffen. Diesen Schritt bewertet Kiefer positiv, macht aber im selben Zuge deutlich, dass neues Personal mit Steuergeldern finanziert werden müsse.

Im Jahr 2016 wurden für den Pflegequalitätsbericht jeweils rund 13.000 stationäre und ambulante Pflegeheime und -Dienste geprüft. Sie sind insgesamt für um die Betreuung von ungefähr 170.000 Menschen in Deutschland zuständig. Der medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, MDS, und der Spitzenverband Bund der Krankenkasse, GKV, untersuchten die Versorgungsqualität pflegebedürftiger Menschen. Dazu zählt besonders die medizinische Betreuung, aber auch die personelle Situation der Dienste.

Quelle: n-tv.de