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Lufthansa und Air Berlin in der Kritik Politiker verurteilen Israel-Flugstopp

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Viele Flüge nach Tel Aviv werden in diesen Tagen wegen des Nahostkonflikts annulliert.

(Foto: REUTERS)

Von den Unruhen in Nahost bleibt auch Tel Aviv nicht verschont. Weltweit streichen ausländische Fluglinien daraufhin ihre Verbindungen in die Metropole. Sicherheit geht vor. Doch die Annullierung der Flüge ist umstritten - auch in Deutschland.

Die Gefechte im Gazastreifen dauern an. Doch die US-Luftfahrtbehörde FAA hat das Flugverbot für amerikanische Fluggesellschaften nach Tel Aviv wieder aufgehoben. Der Ben-Gurion-Flughafen dürfe seit Donnerstagmorgen wieder angeflogen werden, teilte die FAA mit. Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer "sehr wichtigen Entscheidung". Man habe vorher "auf allen Ebenen" agiert, um die USA von dem Flugverbot abzubringen. "Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, wie sicher der Flughafen ist", sagte Katz.

Die FAA beugte sich damit auch dem großen Druck in eigenen Land. So hatte etwa der einflussreiche US-Republikaner Ted Cruz Präsident Barack Obama am Mittwoch vorgeworfen, mit der Streichung der Flüge einen "Wirtschaftsboykott Israels" zu starten. Das US-Außenministerium bezeichnete dies als "lächerlich und beleidigend".

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften halten derweil wegen der anhaltenden Raketengefahr auch an diesem Donnerstag an ihrem Flugstopp fest. Derzeit lägen keine verlässlichen Informationen vor, mit denen sich eine Wiederaufnahme des Flugverkehrs rechtfertigen ließe, erklärte die Lufthansa. Von der Annullierung betroffen sind 20 Flüge aus Frankfurt, Köln, München, Zürich, Wien und Brüssel nach Tel Aviv der Konzernlinien Lufthansa, Germanwings, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines. Air Berlin bedient Tel Aviv 17 Mal pro Woche von Düsseldorf, Berlin, München und über ihre Tochter Nikki von Wien aus.

"Kapitulation vor dem Terror"

Lufthansa und Air Berlin bieten den Passagieren der annullierten Flüge weiterhin eine kostenlose Umbuchung oder die Erstattung des Ticketpreises an. Soweit so gut? Von wegen. Die Einstellung der Israel-Flüge ist in der deutschen Politik höchst umstritten. Vor allem Mitglieder der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Bundestags kritisieren die Einstellung der Flugverbindungen.

Der Grünen-Politiker Volker Beck, der der Gruppe vorsitzt, forderte in der "Rheinischen Post", die Lufthansa solle keine Gelegenheit ungenutzt lassen, den Flugverkehr nach Israel wiederherzustellen. Fluggesellschaften hätten auch Verantwortung für die Menschen, die auf einen funktionsfähigen Flugverkehr angewiesen seien. "Das ist kein Zustand, den man lange hinnehmen kann", sagte Beck.

Seine Stellvertreterin, die CDU-Politikerin Gitta Connemann, sprach von einer "Kapitulation des Westens vor dem Terror". Insbesondere nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine über der Ukraine müsse alles getan werden, um die Sicherheit der Fluggäste zu gewährleisten, sagte sie. Israel verfüge aber über ein funktionierendes Raketenabwehrsystem. Die SPD-Abgeordnete Kerstin Griese setzt dagegen darauf, dass die Einschränkung der Reisemöglichkeiten Palästinenser und Israelis dazu bringen, einem Waffenstillstand zuzustimmen.

Das erste Mal seit 1991

Nicht nur die beiden größten deutschen Fluglinien fliegen die Tel Aviv derzeit nicht an. Der britische Billigflieger Easyjet setzt seine Verbindungen ebenso aus wie die polnische Fluggesellschaft LOT.

Es ist das erste Mal seit 1991, dass ausländische Fluggesellschaften in größerer Zahl den Betrieb nach Israel einstellen. Damals hatte der irakische Diktator Saddam Hussein im Golfkrieg Scud-Raketen auf Israel abschießen lassen.

Der nach dem Staatsgründer David Ben Gurion benannte Flughafen bei Tel Aviv ist mit Abstand die wichtigste Verbindung des Staates zur Außenwelt. Es ist der einzige Flughafen in Israel mit Interkontinentalverkehr und einer der meistfrequentierten Knotenpunkte in der Region. Auch die Palästinensergebiete sind auf dem Luftweg nur über Ben Gurion zu erreichen. Zuletzt war unweit des Flughafens von Tel Aviv eine Rakete eingeschlagen.

Quelle: n-tv.de, cro/dpa/rts

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