Politik

Anschlag von 15-jähriger Attentäterin Polizei ignoriert Hinweise im Fall Safia S.

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Polizeieinsatz am Hauptbahnhof in Hannover

(Foto: picture alliance / dpa)

Am 26. Februar rammt eine 15-Jährige einem Polizisten in Hannover ein Messer in den Hals. Der Mann wird schwer verletzt. Recherchen ergeben jetzt, dass der Anschlag der IS-Sympathisantin hätte verhindert werden können.

Über den Messerangriff einer 15-Jährigen auf einen Polizisten in Hannover hätten die Behörden schon vor dem Anschlag informiert sein können. Das geht aus Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hervor. Demnach hätten die Chatnachrichten, in denen die Schülerin über eine "Überraschung für die Ungläubigen" und eine "Märtyreroperation" in Deutschland spreche, den zuständigen Beamten etwa drei Wochen vor dem Anschlag am Hauptbahnhof vorgelegen - ohne, dass sie als solche erkannt worden seien.

Die 15-Jährige war den Beamten am 26. Januar am Flughafen Hannover-Langenhafen aufgefallen, als sie allein dort gelandet war. Ihre Mutter hatte sie vier Tage zuvor als vermisst gemeldet mit dem Hinweis, ihre Tochter wolle sich nach Syrien absetzen. Nach ihrer Landung erzählte Safia S. den Polizisten, sie habe "Urlaub gemacht" in Istanbul und sprach über ihr "Interesse an den Sehenswürdigkeiten der Stadt". Die Beamten hätten dem Mädchen nicht geglaubt und notiert, sie mache "nachweislich falsche Angaben".

Auf ihrem von der Polizei sichergestellten Handy befanden sich Chats die allerdings erst eine Woche später ausgelesen wurden. Und zwar "nur technisch", wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. "Inhaltlich" ausgewertet worden seien die Protokolle auf Arabisch, Deutsch und Englisch jedoch erst Anfang März. Laut Bericht legte die Auswertung nahe, dass Safia S. mit einem "Auftrag" zurückgekehrt war: Sie habe in Deutschland einen Anschlag begehen sollen im Namen des Islamischen Staates.

Nachricht mit Verdächtigem ausgetauscht

Diese Erkenntnisse kamen zu spät, denn bereits am 26. Februar hatte die 15-Jährige dem Bundespolizisten bei einer Personenkontrolle unvermittelt ein Messer in den Hals gerammt und lebensgefährlich verletzt.

Dass sie die Nachrichten über eine mögliche "Märtyreroperation" auch noch ausgerechnet mit Hasan K. austauschte, gegen den im Zusammenhang mit der Absage des Fußball-Länderspiels im November 2015 ermittelt wird, fiel ebenfalls erst nach der Tat auf.

In der niedersächsischen Landesregierung hieß es dem Bericht zufolge, die nicht erfolgte Auswertung der Chats sei "unglücklich". Die zuständige Polizeidirektion in Hannover sei aufgefordert worden, den Fall noch einmal zu überprüfen.

Die Ermittlungsbehörden werten alle Indizien heute so, dass der Angriff auf den Polizisten möglicherweise der erste vom IS in Auftrag gegebene Terroranschlag in Deutschland ist. Der Generalbundesanwalt hat das Verfahren übernommen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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