Politik

Vor allem Jugendliche unter Opfern Polizei wertet Bluttat von München als Amoklauf

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Das Gebiet um den Tatort ist weiterhin abgesperrt.

(Foto: dpa)

Am Morgen nach der Schießerei in München werden die Hintergründe deutlich. Der Täter sei ein "klassischer Amoktäter", teilen die Behörden mit. Es gebe keinen politischen Zusammenhang. Der Täter war mit einer Pistole bewaffnet und hatte mehr als 300 Schuss Munition bei sich, heißt es. Auch Details zu den Opfern werden bekannt.

Nach der Bluttat von München hat die Polizei keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund des Täters. Der Einzeltäter hatte demnach keinen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es gebe jedoch Hinweise auf eine Beschäftigung des 18-Jährigen mit dem Thema Amoklauf, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä. So seien in der Wohnung des Täters "Unterlagen zum Thema Amok" gefunden worden.

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Der 18-jährige Deutsch-Iraner, ein in München geborener und aufgewachsener Schüler, erschoss den Erkenntnissen zufolge am frühen Freitagabend neun Menschen und tötete sich dann selbst. Es seien nur Menschen mit Wohnort München betroffen, hieß es, keine Auswärtigen oder Touristen. Die Toten sind den Angaben zufolge zwischen 14 und 45 Jahre alt. Die meisten Opfer sind Jugendliche oder junge Erwachsene. Die Menschen wurden in und vor einem Schnellrestaurant sowie im Olympia-Einkaufszentrum getötet.

Es ist noch nicht klar, ob es Opfer gab, die einen Bezug zum Täter hatten. Das werde untersucht, dazu werde das gesamte Umfeld des 18-Jährigen untersucht. Unklar war vorerst, ob der Täter auf einem gehackten Konto auf Facebook eine Einladung zu dem Schnellrestaurant postete mit dem Angebot, dort etwas zu spendieren. Dies müsse noch verifiziert werden, hieß es, aber vieles spreche dafür.

Zusammenhang zu Brevik

Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Regierung des Kosovo auch drei junge Kosovo-Albaner, die in München wohnten. Das habe das Konsulat in München gemeinsam mit der deutschen Polizei und den Familien der Opfer bestätigt, erklärte das Außenministerium in Pristina.

27 Menschen wurden verletzt, 10 von ihnen schwer, teilten die Ermittler mit. Unter ihnen befindet sich demnach auch ein 13-Jähriger. Vier der Verletzten hätten Schussverletzungen, hieß es. Es habe in der Innenstadt auch Schockverletzungen gegeben. Nach Gerüchten über weitere Schießerei hatte es dort panikartige Reaktionen gegeben.

Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. "Diese Verbindung liegt auf der Hand", sagte Polizeipräsident Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf. Laut Andrä gibt es allerdings bisher keine Informationen, die zeigten, dass sich der Täter mit dem Anschlag in einem Regionalzug am Montagabend in Würzburg beschäftigt habe.

300 Schuss Munition

Die Staatsanwaltschaft geht nicht von einer "politischen Motivation" des Täters aus. Er handle es sich um einen "klassischen Amoktäter", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Nach seinen Angaben lehnte der Generalbundesanwalt deshalb zunächst eine Übernahme des Falls ab. Weiter sagte Steinkraus-Koch, der Attentäter habe eine Erkrankung "aus dem depressiven Formenkreis" gehabt.

Bisher wurde eine Wohnung durchsucht, in der der Täter bei seinen Eltern lebte. Dabei wurde "umfangreiche IT" sichergestellt. "Da läuft die Auswertung", sagte Andrä. Ein Abschiedsbrief wurde bisher nicht gefunden.

Der Deutsch-Iraner nutzte für seine Tat eine 9mm Glock-Pistole. Diese habe der 18-Jährige offenbar illegal besessen, da die Seriennummer der Waffe ausgefeilt war, sagte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger. Die Herkunft der Waffe ist derzeit unbekannt. Der Täter hatte demnach mehr als 300 Schuss Munition bei sich. Er besaß keine waffenrechtliche Erlaubnis.

Laut Andrä war der massive Polizeieinsatz gerechtfertigt. Es sei absolut "richtig und notwendig gewesen", in dieser Stufe einzusteigen, sagte er. Die Polizei habe die höchste Einsatzstufe ausgelöst, die zur Verfügung gestanden habe. Angesichts der vielen Hinweise auf weitere Schauplätze sei das umfassende Vorgehen nötig gewesen.

Bis zu 2300 Beamte waren demnach am Freitagabend im Einsatz. Am Samstag waren noch etwa 800 Polizisten und Ermittler mit der Tat befasst. Eine Zivilstreife hatte am Parkhaus des Einkaufszentrums den Täter gesehen, hieß es weiter. Schüsse der Polizisten trafen den Täter demnach aber nicht.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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