Panorama

Einladung über Facebook Die meisten Opfer sind junge Leute

Selina_FB-.jpg

Möglicherweise hackte der Täter diesen Facebook-Account, um gezielt Jugendliche zum späteren Tatort anzulocken.

Neun Menschen erschießt der junge Deutsch-Iraner in München. Die meisten sind nur wenig jünger oder älter als er - und viele haben einen Migrationshintergrund. Möglicherweise lockte er sie gezielt an.

Die Opfer in München sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Der Polizei zufolge stammten alle aus München und aus der Umgebung der Landeshauptstadt. Unter den neun zum großen Teil jugendlichen Opfern waren auffällig viele mit ausländischer Herkunft. Drei Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren kamen aus Familien, die aus dem Kosovo stammten. Drei weitere Opfer waren Türken, einer war Grieche.

Acht Getötete waren zwischen 14 und 20 Jahre alt, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä. So kamen zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige ums Leben. Die weiteren Opfer waren jeweils 17, 19 und 20 Jahre alt. Ein neuntes Opfer war 45 Jahre alt. Unter den neun Opfern sind drei Frauen. Die Opfer starben in der McDonalds-Filiale gegenüber dem OEZ, davor und im Einkaufszentrum.

27 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt und in Krankenhäusern behandelt. Zehn gelten als schwerverletzt, vier von ihnen werden mit Schussverletzungen behandelt. Gegen 20.30 Uhr hatten Polizeikräfte auch den mutmaßlichen Täter gefunden, der sich offenbar selbst erschossen hatte.

Ob sich die Tat gezielt gegen Jugendliche gerichtet habe, könne er "weder bestätigen noch dementieren", sagte Andrä. Das werde eine Frage der Ermittlungen sein. Allerdings bestätigte die Polizei, dass der Täter einen Facebook-Account eines Mädchens mit einem türkischen Namen gehackt hatte und darüber Menschen in die betreffende McDonalds-Filiale eingeladen hatte. "Kommt heute um 16 Uhr Meggi am OEZ", schrieb er dort - Meggi ist Jugenddeutsch für McDonald's. Er wolle dort etwas ausgeben, aber es dürfe nicht zu teuer sein.

Parallele zu Breivik

Besonders auffällig nannte Polizeichef Andrä, dass die Tat von München genau am fünften Jahrestag der Tat des rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik stattfand. Insofern liege eine "Verbindung auf der Hand". Andrä zog diese Verbindung deshalb, weil es sich bei beiden Fällen um Amokläufe gehandelt habe.

Aber womöglich gibt es auch eine andere Parallele. Der Norweger Breivik tötete 2011 aus rechtsextremen Motiven. Und auch bei dem Deutsch-Iraner wird über Fremdenhass spekuliert. Trotz seiner iranischen Wurzeln sah sich der Attentäter nicht als Ausländer. "Ich bin Deutscher" ist von ihm auf einem während der Tat entstandenen Video zu hören, das die Polizei als authentisch einstuft. Die "Bild"-Zeitung berichtet, er habe sich an seiner Schule von Türken und Arabern gemobbt gefühlt.

Der Amoklauf begann demnach gegen 17.50 Uhr in dem Schnellrestaurant. Zeugen zufolge hat der mutmaßliche Täter dort auf der Toilette eine Pistole geladen. Ein Handyvideo zeigt ihn, wie der das Schnellrestaurant verlässt und auf Menschen zielt. Dann beginnt er wahllos zu schießen.

Anschließend lief der junge Mann in das benachbarte Einkaufzentrum und schoss dort weiter um sich. Augenzeugen berichteten, dass Passanten aus dem OEZ gestürmt seien, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch in der Mall versuchten Kunden und Angestellte, sich in Lagerräumen zu verschanzen. Eine junge Frau schilderte bei n-tv, sie seien dann von der Polizei rausgebracht worden. "Wir sind gerannt, haben zugedeckte Leichen gesehen, auch Blut."

Einem Polizeisprecher zufolge werden etwa 100 Menschen, die Augenzeugen der Bluttat geworden sind, durch ein Kriseninterventionsteam betreut. Die Münchner Polizei bat weitere Zeugen darum, Fotos und Videomaterial zur Verfügung zu stellen.

Quelle: n-tv.de, sba/ghö/dpa