Politik

Fünf Tote, 68 Festnahmen Polizeichef des Kapitols tritt zurück

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Steven Sund ist nicht länger Polizeichef des Kapitols.

(Foto: AP)

Nach dem Sturm auf das US-Kapitol wird auch die Kritik an den Sicherheitskräften immer lauter. Nun zieht der Polizeichef des Kapitols die Konsequenzen und nimmt seinen Hut. Unterdessen zählen die Behörden Dutzende Festnahmen. Zudem wird der Tod eines verletzten Polizisten bekannt.

Als Konsequenz aus der Erstürmung des US-Kongresses durch Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump tritt der Chef der für die Sicherheit des Parlaments zuständigen Polizeibehörde zurück. Der Leiter der Kapitol-Polizei, Steven Sund, gebe am 16. Januar sein Amt ab, hieß es aus dem Umfeld der Polizeibehörde. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hatte zuvor Sunds Rücktritt gefordert und ihm vorgeworfen, das Kapitol nicht ausreichend gesichert zu haben.

Sund sagte am Donnerstag, seine Behörde habe lediglich mit einer Kundgebung von Trump-Anhängern gerechnet. Die Ausschreitungen bezeichnete er als "kriminelles, randalierendes Verhalten". Er selbst habe noch nie einen vergleichbaren Einsatz erlebt, fügte Sund hinzu und verwies unter anderem auf die Entdeckung von zwei Rohrbomben.

Das Vorgehen der Kapitol-Polizei gegen die zahlreichen Demonstranten hatte heftige Kritik nach sich gezogen. Beobachter wunderten sich unter anderem, warum nur eine kleine Anzahl von Beamten das berühmte Gebäude zu schützen schien. Die Sicherheitskräfte wurden schnell von den Protestierenden überwältigt. Offenbar hatten sie nicht rechtzeitig Unterstützung von der Stadtpolizei in Washington angefordert. Der US-Senator von Hawaii, Brian Schatz, twitterte: "Das Sicherheitskonzept des US-Kapitols braucht eine Generalüberholung". Die Kapitol-Polizei kündigte bereits eine interne Untersuchung der Geschehnisse an.

Behörden haben Tote identifiziert

Wie nun bekannt wurde, starb ein bei den Ausschreitungen verletzter Polizist. Dies teilte die für den Schutz des Kapitols in Washington zuständige Polizeibehörde mit. Zuvor hatte die Polizei die vier Toten identifiziert, die bereits am Vortag gemeldet worden waren. Bei der Frau, die infolge einer Schussverletzung starb, handelte es sich demnach um eine 44-Jährige aus Kalifornien. Die drei Menschen, die bei nicht näher definierten "medizinischen Notfällen" ums Leben kamen, waren im Alter von 34 bis 55 Jahren. Sie kamen aus Georgia, Alabama und Pennsylvania.

Nach neuesten Angaben der Behörden wurden bei den Ausschreitungen mindestens 68 Menschen festgenommen. Die Polizei in Washington teilte mit, 56 Polizisten seien verletzt worden, zwei davon würden im Krankenhaus behandelt. Neben zwei Rohrbomben seien auch sechs Schusswaffen sichergestellt worden.

Staatsanwalt Mike Sherwin sagte in einer Telefonschalte mit Journalisten, im Zusammenhang mit den Vorfällen am Kapitol seien binnen 36 Stunden in insgesamt 55 Fällen Strafanzeigen gestellt worden. In den meisten Fällen laute der Vorwurf auf unerlaubtes Betreten bestimmter Bereiche, in manchen Fällen gehe es aber auch um Körperverletzung oder unerlaubten Waffenbesitz. Bei den Vorwürfen seien aber "alle Optionen auf dem Tisch", darunter auch Aufruhr.

Sherwin betonte, man stehe bei der Strafverfolgung erst am Anfang. Ermittler sichteten Videomaterial. Hunderte Mitarbeiter durchsuchten soziale Medien, um potenzielle Straftäter zu identifizieren. Nach Angaben der Polizei kamen nur zwölf der Festgenommenen aus Washington oder den angrenzenden Bundesstaaten Maryland und Virgina. 50 weitere kamen aus weiter entfernten Bundesstaaten, sechs Personen hatten keine Meldeadresse.

Quelle: ntv.de, jpe/hul/AFP/dpa