Politik

"Riesige Verantwortung" Regionalwahlen elektrisieren Frankreich

Das Wahlergebnis der Vorwoche war ein Paukenschlag. Die rechtsextreme FN um Marine Le Pen erzielte bei den französischen Regionalwahlen landesweit die meisten Stimmen. Dennoch stehen die Zeichen vor dem zweiten Wahlgang nicht unbedingt auf Sieg.

Nach ihren spektakulären Erfolgen in der ersten Runde der Regionalwahlen schlägt für die rechtsextreme Front National (FN) an diesem Sonntag die Stunde der Wahrheit. Nach Umfragen bleibt die Partei von Marine Le Pen zwar stark, kann aber keine Region für sich gewinnen. Unter weiter enormen Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen sind mehr als 44 Millionen Franzosen zur Wahl in den neu gebildeten Regionen aufgerufen. Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017.

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Die Front National um Marine Le Pen im Freudentaumel.

(Foto: AP)

Der sozialistische Regierungschef Manuel Valls warnte kurz vor der Entscheidung vor möglichen Folgen für Frankreich. Die Rechtsextremen wollten eine Spaltung des Landes. "Diese Spaltung kann letztlich zu einem Bürgerkrieg führen", sagte Valls auf France Inter. Beim SPD-Parteitag in Berlin forderte er, Sozialdemokraten müssten verhindern, dass Populisten und Rechtsextremisten Europa zerstörten.

Vor einem Erstarken der Front National warnte auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Die Franzosen hätten eine "riesige Verantwortung" zu verhindern, "dass Europa in eine Tendenz verfällt, wo der Nationalismus wieder Trumpf ist und alles, was europäisch ist, in die Brüche geht", sagte Asselborn im rbb-Inforadio. Er möchte sich nicht vorstellen, "dass diese politische Tendenz in die oberen Sphären des Staates durchschlägt".

Sozialisten ziehen aussichtslose Kandidaten zurück

In der ersten Runde der Regionalwahlen hatte die FN mit 27,7 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis erzielt - vor den Konservativen um Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (26,7 Prozent) und dem Bündnis der regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande (23,1 Prozent). In 6 der 17 Regionen lagen die Rechtsextremen vorn. Dies dürfte sich diesmal ändern, weil die Sozialisten aussichtslose Kandidaten zurückgezogen haben, um den Rechtsextremen den Weg an die Spitze zu verbauen.

In Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo die FN-Chefin Le Pen vergangenen Sonntag mit 40,6 Prozent klar vorn lag, sehen Umfragen nach dem Rückzug des sozialistischen Kandidaten den Republikaner Xavier Bertrand rund sechs Punkte vor Le Pen. Im südöstlichen Provence-Alpes-Côte d'Azur hatte die 26-Jährige Marion Maréchal-Le Pen, Nichte der Parteichefin, ebenfalls mit knapp 41 Prozent gewonnen. In Umfragen rangiert sie nun zwei bis acht Punkte hinter dem Konservativen Christian Estrosi.

Auch in der Mittelmeerregion hatte der sozialistische Kandidat den Weg für eine Mehrheit gegen die FN durch einen Verzicht freigemacht. In der Grenzregion zu Deutschland verweigerte dies der Sozialist Jean-Pierre Masseret. In Umfragen führt dennoch der Konservative Philippe Richert mit 43 Prozent zwei Punkte vor FN-Vize Florian Philippot, der am Sonntag noch an der Spitze lag.

In anderen Regionen machen Sozialisten, die von Grünen und anderen Linksparteien unterstützt werden, und der bürgerliche Block unter den Republikanern Sarkozys laut Umfragen das Rennen jeweils unter sich aus. Viele Franzosen wählen in neu zugeschnittenen Regionen. Nach einer Reform ist das Land nun in 13 statt 22 Regionen aufgeteilt. Hinzu kommen fünf Überseeregionen, in vier davon wird ebenfalls gewählt.

Quelle: n-tv.de, jja/dpa

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