Politik

Für Konservative, gegen Front National Sozialisten ziehen Kandidaten zurück

64198825.jpg

Plakate mit Parolen, die offenbar viele Franzosen überzeugen. Um den Front National zu schwächen, wollen die Sozialisten den Konservativen in einigen Regionen den Vortritt lassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Rekordergebnis des Front National bei den französischen Regionalwahlen wollen Konservative und Sozialisten ihre Kräfte gebündelt gegen die rechtsextreme Partei einsetzen. Dafür verzichten die Sozialisten in Teilen des Landes sogar auf ihre Kandidaten.

Im politischen Kampf gegen den rechtsextremen Front National (FN) wollen Frankreichs Sozialisten in einzelnen Landesregionen auf eigene Kandidaten verzichten. So will die Partei zum Beispiel im Nordosten Frankreichs, in Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine, zum zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag nicht antreten. Das sagte Parteichef Jean-Christophe Cambadélis im französischen Sender RTL und zog damit Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden als dritte Kraft.

Cambadélis verwies den regionalen Parteikandidaten Jean-Pierre Masseret auf einen entsprechenden Beschluss der Parteispitze. Masseret hatte einen Kandidaturverzicht bisher abgelehnt. Mit Erfolgen der nun wohl allein gegen den FN antretenden konservativen Bewerber könnte ein Sieg der Rechtsextremen verhindert werden.

Rückzug aus vier FN-starken Regionen

Bereits am Sonntagabend hatte Cambadélis nach der Wahlschlappe einen Rückzug in Nord-Pas-de-Calais-Picardie im Norden des Landes sowie in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur im Südosten angekündigt. In diesen Regionen liegen FN-Chefin Marine Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen nach dem ersten Wahlgang mit jeweils knapp 41 Prozent deutlich vorn. In Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine kam Florian Philippot, enger Vertrauter von Marine Le Pen, auf 36 Prozent.

Der rechte Front National ist am Sonntag als stärkste Kraft aus den Regionalwahlen hervorgegangen. 28 Prozent der Wähler stimmten für die Partei von Marine Le Pen, die damit das beste Ergebnis der Parteigeschichte in einer landesweiten Abstimmung verzeichnete. Ein vom ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy angeführtes bürgerliches Bündnis blieb mit 27 Prozent hinter dem Front National zurück. Ebenso die regierenden Sozialisten, die landesweit lediglich 23,5 Prozent erreichten.

Eine endgültige Entscheidung wird der zweite Wahlgang am kommenden Sonntag bringen. Nach französischem Wahlrecht wird eine zweite Abstimmung fällig, wenn keine der Parteien eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreicht. Zwischen den Wahlgängen können die Parteien Listen zusammenlegen oder Kandidaten zugunsten anderer zurückziehen. Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2017 und gelten daher als wichtiger politischer Stimmungstest.

Quelle: n-tv.de, apo/dpa

Mehr zum Thema