Politik
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Freitag, 25. November 2016

Unbequeme Notwendigkeiten : Rente? Aber sicher!

Ein Kommentar von Axel Witte

Sie ist sicher, sie wird nicht reichen und sie ist ein Politikum – die Rente. Vor allem Letzteres macht die Sache zum Problem. Seit Jahrzehnten. Die Lösung: einfach, aber ein Tabu.

Wir werden alle immer älter. Was eigentlich prima ist. Blöd nur, wenn man dann zwar sehr alt ist, aber nicht genug Geld hat, um seinen Ruhestand in Würde und finanzieller Sicherheit zu erleben. Leider droht genau dieses Szenario nicht wenigen zukünftigen Rentnern.

Wer ist schuld? Die Demografie. Es wird in Zukunft hierzulande viel zu viele alte Menschen und im Gegenzug viel zu wenige junge Menschen geben. Anders ausgedrückt, es fehlt an Beitragszahlern. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Selbstverständlich soll in Deutschland jeder frei entscheiden, ob er oder sie Kinder haben möchte. Wer keine Lust hat, morgens Zirkus und abends Theater im Haus zu haben, ist hiermit entschuldigt. Auch in der Konsequenz, dass er oder sie dem Land potenzielle Beitrags- und Steuerzahler vorenthält. Kompensiert und gesteuert muss so viel erwünschte Selbstbestimmung dennoch werden.

Womit wir bei der zweiten Schuldigen wären, der Politik. Seit Jahrzehnten informiert sie zwar ihre Wähler über die ungute Entwicklung, Lösungsansätze waren aber bestenfalls Stückwerk. Auch um keine Wählerstimmen zu verlieren. Stattdessen wurde die private Altersvorsorge gestärkt und de facto Rentenkürzungen vorgenommen. Doch das staatlich geförderte Zusatzangebot wird nur unzureichend angenommen und kostet den Steuerzahler dennoch viel Geld. Und ist insofern auch entbehrlich.

Zeit also für einen Tabubruch. Die Rentenbeiträge müssen steigen. Für rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Anders wird das umlagefinanzierte und auf Solidarität basierende System keine Zukunft bieten. Bei dieser Gelegenheit würden auch all jene eingesammelt und in die Pflicht genommen werden, die sich derzeit nicht um eine notwendige zusätzliche Absicherung kümmern wollen oder können – um später dann die Allgemeinheit für diesen Umstand geradestehen zu lassen.

Es ist Augenwischerei, so zu tun, als ob niedrige Rentenbeiträge tatsächlich auch mit einer geringeren finanziellen Belastung einhergehen. Denn mehr gezahlt werden muss sowieso. Sei es in Form von privater Altersvorsorge oder später in Form von höheren Belastungen. Es wäre nur fair und transparent, das System dahingehend tragfähig zu machen, dass niemand im Alter zu darben braucht und jeder weiß, woran er ist.

Ob es gleich das Schweizer Modell sein muss, wo nahezu jeder Bewohner zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr in die gesetzliche Rente einzahlt, darüber darf gerne gestritten werden. Klar sollte aber sein, dass die Politik Verantwortung für die Bürger zu übernehmen hat, auch wenn diese dafür an die Hand genommen werden müssen. Das tut sie an andere Stelle auch. Zum Beispiel beim Aufstellen von Verkehrsregeln, die - zum Wohle aller - auch für alle gelten.

Quelle: n-tv.de