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Festival unterbrochen "Rock am Ring" wegen Terroralarm geräumt

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Die Besucher von "Rock am Ring" mussten das Festivalgelände verlassen. Grund ist eine "terroristische Gefährdungslage".

(Foto: imago/Manngold)

Das Festival "Rock am Ring" muss wegen Terrorgefahr unterbrochen werden. Die Polizei spricht von einer "terroristischen Gefährdungslage". Tausende Besucher müssen das Festivalgelände verlassen.

Das von Zehntausenden Musikfans besuchte Festival "Rock am Ring" ist wegen Terrorgefahr unterbrochen worden. Es gebe "konkrete Hinweise, aufgrund derer eine mögliche terroristische Gefährdung nicht auszuschließen" sei, teilte die Polizei Koblenz mit.

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Die meisten Zuschauer blieben ruhig, rund eine halbe Stunde nach der Unterbrechung war das Gelände laut Organisator Marek Lieberberg geräumt. In einem Statement der Veranstalter des wohl bekanntesten Rockfestivals Deutschlands hieß es, sie seien wegen einer "terroristischen Gefährdungslage" angewiesen worden, die Besucher zum Verlassen des Geländes aufzufordern. "Derzeit laufen Ermittlungen mit Hochdruck. Genaue Hintergründe können wir derzeit noch nicht nennen", hieß es von der Polizei weiter. "Da die Sicherheit an erster Stelle steht und eine Gefährdung von Festivalbesuchern in jedem Fall soweit wie möglich ausgeschlossen werden muss, wurde entschieden, das Festival für diesen Tag auszusetzen."

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung verhört die Polizei zwei Mitarbeiter eines Subunternehmers. Es habe am Freitagabend die Befürchtung bestanden, dass die beiden Männer etwas auf dem Gelände hinterlegt haben. Eine konkrete Gefährdung habe aktuell eher nicht bestanden. Die Polizei am Nürburgring wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. "Wir können im Moment nichts sagen. Wir müssen die Ermittlungen sauber durchführen", sagte Polizeisprecher Lars Brummer.

Am Nürburgring waren folgende Lautsprecherdurchsagen zu hören: "Wegen einer terroristischen Bedrohungslage wird das Festival für heute abgebrochen. Wir hoffen, dass es morgen weitergeht." Alle Besucher wurden gebeten, das Festivalgelände kontrolliert und ruhig in Richtung Ausgänge und Campingplätze zu verlassen.

Derweil hat die Polizei ein Bürgertelefon geschaltet. Unter der Rufnummer 0800-6565651 können Bürger Auskünfte über die aktuelle Lage erhalten, wie die Polizei in Koblenz mitteilte.

Innenminister: "Es blieb keine andere Wahl"

Die rheinland-pfälzische Landesregierung bestätigte die Terrorwarnung. Es gebe Hinweise auf eine mögliche terroristische Bedrohungslage, sagte Ministeriumssprecherin Joachim Winkler. Zu den Untersuchungen sagte Innenminister Roger Lewentz: "Es gibt ein paar Punkte, auf die sich konzentriert wird." Das Festivalgelände werde genau untersucht. Details nannte er aber nicht.

Für Samstag ist laut Lewentz eine Lageeinschätzung geplant. Dann werde man entscheiden, wie es weitergeht. Er will die Öffentlichkeit um 11 Uhr am Veranstaltungsort Nürburgring informieren. Die Unterbrechung des Festivals war nach Einschätzung des Ministers notwendig. "Wir mussten diese Entscheidung treffen", sagte er. "Es war übereinstimmend bei allen Polizeiexperten: Es blieb keine andere Wahl." Die Entscheidung sei nicht einfach gefallen. Der Minister betonte jedoch: "Sicherheit geht vor." Bundesinnenminister Thomas de Maiziere erklärte seine Unterstützung für die Räumung des Festivalgeländes. "So bitter es ist, die Sicherheit der Festivalbesucher muss an erster Stelle stehen", sagte er.

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Schon vor der Unterbrechung hatten Sicherheitsbedenken das Festival begleitet. Die Polizeipräsenz am Nürburgring war - auch vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf ein Konzert in Manchester vor anderthalb Wochen - auf mehr als 1200 Beamte aufgestockt worden. Organisator Lieberberg hatte zu Beginn des Festivals auf der Hauptbühne an die Opfer von Manchester erinnert. Bis zu 90.000 Musikfans wurden zum diesjährigen "Rock am Ring" in der Eifel erwartet.

Organisator Lieberberg hofft auf eine Fortsetzung des Festivals. Die Räumung sieht er kritisch. "Zunächst einmal erkenne ich keinen Grund bisher, warum das Gelände geräumt wurde", sagte er n-tv. Es seien keine verdächtigen Gegenstände oder Geräte gefunden worden. "Ich glaube, dass wir hier für das büßen müssen, was im Fall Amri oder anderen zu wenig getan wurde." Durch Versäumnisse der Ermittlungsbehörden sei eine andere Gemütslage eingetreten, so dass womöglich "schneller gravierende Entscheidungen getroffen werden als vorher". Der Islamist Anis Amri hatte im Dezember 2016 bei einem Lastwagen-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zwölf Menschen getötet.

"Rock im Park" läuft weiter

Als Höhepunkt am Freitag hatte der Auftritt der Rockband Rammstein gegolten, der am späten Abend beginnen sollte. Für das Festival war es eine Rückkehr: In den vergangenen beiden Jahren hatte "Rock am Ring" auf dem Flugplatz Mendig stattgefunden, mehrere Besucher wurden dabei bei Blitzschlägen verletzt. Beim parallel in Nürnberg stattfindenden Zwillingsfestival "Rock im Park" gingen die Konzerte am Freitagabend weiter. Dort treten dieselben Bands in anderer Reihenfolge auf.

"Da auf der Basis der vorliegenden Erkenntnisse für Nürnberg keine geänderte Gefahrenlage festgestellt werden konnte, sprach aus Sicht der Behörden und des Veranstalters nichts gegen die Fortführung des Spielbetriebs", hieß es vom Veranstalter. Die Besucher wurden über die Situation informiert.

Quelle: n-tv.de, kpi/hul/dpa

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