Politik

Umgang mit Fall Skripal Russlands Botschafter warnt Berlin

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Sergej Netschajew ist aktuell der russische Botschafter. Er spricht Warnungen aus.

(Foto: dpa)

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien droht eine Zuspitzung der internationalen Krise. Dabei stehen am Wochenende zwei Botschafter im Blickpunkt.

Der russische Botschafter in Berlin hat die Bundesregierung nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal vor Maßnahmen gegen sein Land gewarnt. "Wir hoffen sehr, dass unsere deutschen Partner nicht nach fremden Regeln spielen werden, dabei noch mit geschlossenen Augen. Das liegt kaum in unser aller Interesse", sagte Sergej Netschajew. "Die deutsch-russischen Beziehungen haben eine strategische Bedeutung."

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury entdeckt worden. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass sie mit dem in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. Beide befinden sich nach britischen Angaben in einem kritischen, aber stabilen Zustand. Skripal war 2006 in Russland verurteilt und vier Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Großbritannien gekommen.

London macht Moskau für den Anschlag verantwortlich. Beide Länder haben bereits jeweils 23 Diplomaten der anderen Seite ausgewiesen. Die britische Regierung hofft nun, dass weitere EU-Staaten diesem Beispiel folgen werden.

Netschajew bestritt jede Verwicklung Russlands in den Anschlag. "Massenvernichtungswaffen auf dem Staatsgebiet eines Nato-Mitgliedstaates vorzubereiten, wozu man ein professionelles chemisches Labor und Experten benötigt, wobei die Folgen unumkehrbar sein können - das ist nicht einmal aus der Welt von Science Fiction, sondern eher der Psychiatrie", sagte er.

EU-Botschafter zurückbeordert

Die EU stellte sich auf ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag geschlossen hinter Großbritannien und verschärfte die Tonlage gegen Moskau deutlich. In einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs hieß es, Russland sei sehr wahrscheinlich für den Anschlag verantwortlich.

Brüssel beorderte zudem seinen EU-Botschafter aus Moskau für Konsultationen zurück - und greift damit zum ersten Mal überhaupt zu einem solchen Mittel. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini wolle in den nächsten Tagen mit dem aus Deutschland stammenden Diplomaten Markus Ederer über den Fall Skripal und die Beziehungen zu Russland beraten, sagte eine Sprecherin Mogherinis. Schon der Rückruf Ederers an sich gilt als Zeichen des Protests und der diplomatischen Spannungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat weitere Schritte gegen Russland nicht ausgeschlossen. Sie will sich dabei mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron abstimmen. Bulgarien, das aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat, teilte unterdessen mit, keine russischen Diplomaten des Landes zu verweisen.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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