Politik

Nach Fund von 71 Leichen in Lkw Schlepperbande beging etliche Taten

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Die Menschen waren auf ihrer Fahrt nach Deutschland in dem Kühllaster erstickt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ende August 2015 werden an einer Autobahn in Österreich 71 erstickte Flüchtlinge in einem Lkw entdeckt: Offenbar war es nicht die einzige Schleuserfahrt der Bande. 13 Fahrten gingen allein nach Deutschland - und endeten nur durch Zufall nicht ebenfalls tödlich.

Die Toten kamen aus Afghanistan, dem Irak und Syrien: Rund ein Jahr nach dem Fund von 71 Flüchtlingsleichen in einem Kühllastwagen an der Autobahn in Österreich gibt es neue Erkenntnisse zu den Schleppern. Wie die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichten, soll die Bande für 30 weitere Schleuserfahrten verantwortlich sein - 13 dieser Fahrten hätten demnach unmittelbaren Deutschlandbezug gehabt. Dies sei vom Bundespolizeipräsidenten, Dieter Romann, bestätigt worden. Allein neun Tage vor der Schleuserfahrt mit tödlichem Ausgang habe die Polizei einen Lkw mit 81 Flüchtlingen im Laderaum gestoppt.

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Die Ermittler kamen über DNA-Spuren im Lkw auf die Spur der Schleuser.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einer der Schlepper, Ilmaz A., wurde wegen gewerbs -und bandenmäßigen Schleusens zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt und verbüßt seine Strafe derzeit in der Justizvollzugsanstalt Bautzen. Nach seiner Aussage waren die Flüchtlinge ursprünglich in Lastwagen mit Planen transportiert worden. Diese seien aber von den Menschen häufig zerschnitten worden. Also sei man auf Lkw mit Metallaufbau umgestiegen, zitierte ihn die "SZ". Er selbst habe den Lastwagen mit besagten 81 Menschen nach Sachsen gefahren - und das Trommeln der Flüchtlinge gegen die Wände des Lkw auf Anweisung seines Chefs ignoriert.

Neun Tage später, am 27. August 2015, fand die Polizei die 71 Leichen in einem verlassenen Transporter am Rand der A4 bei Parndorf. Bis auf einen Mann konnten mittlerweile alle Leichen identifiziert werden. Die Ermittler waren durch Fingerabdrücke sowie DNA-Spuren auf die Spur der Schlepper gekommen. In der Pannenbucht, in der der Lastwagen abgestellt war, erinnern einzelne Blumengestecke an die Tragödie. Ein Prozess gegen die fünf Tatverdächtigen, die in Ungarn in Haft sitzen, ist aber auch nach einem Jahr nicht in Sicht.

Kaum Informationen zu Schleusern

Weil die Opfer - Männer, Frauen und Kinder - bei der Fahrt in dem luftdichten Laderaum schon in Ungarn erstickt sein sollen, findet das Verfahren dort statt. Die ungarischen Ermittler haben bis zum 24. Oktober Zeit, ihre Ergebnisse der Staatsanwaltschaft vorzulegen. Erst dann dürfte sich klären, wann ein Prozess gegen die mutmaßlichen Schlepper - darunter vier Bulgaren und ein Afghane - beginnt. Detaillierte Informationen zu den Verdächtigen gibt es bisher kaum. Selbst die Namen ihrer Anwälte sind bisher nicht bekannt.

In Medienberichten hieß es aber, dass der 50-jährige Bulgare ursprünglich aus dem Libanon stammen soll und der Afghane einen Aufenthaltstitel in Ungarn besitzt. Die österreichischen Behörden hatten ihre Ermittlungen im November 2015 beendet und die Akten an Ungarn übergeben. Erst vor kurzem hat die österreichische Polizei die Suche nach Schleppern am Grenzübergang Nickelsdorf wieder verstärkt. Das führt zeitweise zu langen Wartezeiten bei der Einreise aus Ungarn.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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