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Hinweise auf neue Tests Seoul: Nordkorea bereitet Raketenstart vor

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Propagandafoto aus Pjöngjang: Kim Jong Un gibt im nordkoreanischen Atomprogramm die Richtung vor.

(Foto: REUTERS)

Nordkorea lässt sich offenbar von der weltweiten Kritik an seinem jüngsten Kernwaffentest nicht abschrecken. So soll es neue verdächtige Aktivitäten geben, wie südkoreanische Militärs befürchten.

Nordkorea bereitet kurz nach dem jüngsten Kernwaffentest offenbar bereits den Start einer weiteren Interkontinentalrakete vor. Südkoreanische Behörden hätten Aktivitäten zur Vorbereitung eines solchen Raketenstarts entdeckt, sagte der südkoreanische Vizeverteidigungsminister, Generalmajor Jang Kyung-soo.

Am 9. September begeht Nordkorea den Jahrestag seiner Gründung im Jahr 1948. Solche Gedenktage nimmt das Regime in Pjöngjang regelmäßig zum Anlass, größere Waffentests und andere militärische Schauvorführungen anzusetzen. Frühere Raketenstarts fielen dabei ebenfalls oft mit nordkoreanischen Feiertagen zusammen.

Im Juli hatte Nordkorea ballistische Raketen gestartet, bei denen es sich nach Einschätzung westlicher Beobachter um Interkontinentalraketen (ICBMs) gehandelt haben dürfte, die nach gängiger Definition auf eine Reichweite von mehr als 5500 Kilometern kommen. Der US-Stützpunkt auf Guam im Pazifik liegt rund 3400 Kilometer von Nordkorea entfernt. Bis nach Alaska sind es und 5000 Kilometer.

Spähende Blicke aus dem All

In Südkorea verfolgen Militär und Geheimdienste die Bewegungen im Nachbarland genau. Ausgewertet werden dabei neben Daten aus der elektronischen Aufklärung vor allem auch Satellitenaufnahmen, die zum Beispiel Hinweise auf Truppenbewegungen oder Materialtransporte liefern. Auf welchen Informationen die aktuellen Vermutungen beruhen und welche südkoreanischen Stellen daran beteiligt waren, blieb zunächst unklar.

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Die koreanische Halbinsel aus dem All: Rechts unten liegt Südkorea. Nordkorea liegt fast komplett im Dunklen (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Am Sonntag hatte Nordkorea die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe gemeldet. Der Test sei ein "absoluter Erfolg" gewesen, berichtete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit dieser Bombe könne das Land auch eine Langstreckenrakete bestücken, hieß es in dem Bericht. Wasserstoffbomben sind potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen, die auf dem Prinzip der Kernfusion aufbauen. Damit lassen sich weit stärkere Explosionen erzeugen als mit herkömmlichen Atombomben, die Effekte der Kernspaltung ausnutzen.

"Nukleares Material" gezündet

Die Sprengkraft der auf dem nordkoreanischen Testgelände im Bezirk Kilju gezündeten Bombe schätzten Experten in Seoul auf etwa 50 Kilotonnen. Das wäre viermal so stark wie die Atombombe, die die USA 1945 auf das japanische Hiroshima abwarfen. Im Vergleich zum Zerstörungspotenzial der Kernwaffen aus den Beständen der großen Atommächte dürfte es sich demnach um eine relativ kleine Bombe gehandelt haben.

Allerdings hat das Regime in Pjöngjang wiederholt angekündigt, an der Entwicklung von kompakten Sprengköpfen zum Einsatz in weitreichenden Interkontinentalraketen zu arbeiten. Keine Bestätigung gibt es bisher für nordkoreanische Angaben, es habe sich bei dem verwendeten Sprengsatz um eine Wasserstoffbombe gehandelt. Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte aber, es sei bei dem Test mit Sicherheit "nukleares Material" zum Einsatz gekommen.

Dringlichkeitssitzung im UN-Sicherheitsrat

Zu Wochenbeginn tritt in New York der UN-Sicherheitsrat zusammen, um über den jüngsten nordkoreanischen Atomtest zu beraten. Die Sitzung sei von den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Südkorea beantragt worden, teilte die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen mit. Die Haltung der beiden übrigen UN-Vetomächte Russland und China zum Fall Nordkorea blieb zunächst offen.

Russlands Präsident Wladimir Putin rief in einer ersten Reaktion dazu auf, sich mit Blick auf Nordkorea "nicht von Emotionen leiten zu lassen". Und beim Gipfeltreffen der sogenannten Brics-Staaten im chinesischen Xiamen erreichte Gastgeber China immerhin, dass die Staats- und Regierungschefs aus den teilnehmenden Schwellenländern den nordkoreanischen Atomtest einhellig scharf verurteilen. Die Krise könne "nur durch friedliche Mittel und den direkten Dialog aller beteiligten Seiten beigelegt werden", erklärten die Länder.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/DJ

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