Politik

Keine gutnachbarliche Beziehung Serbiens Präsident will Kosovo zurück

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Präsident Tomislav Nikolic sagte wiederholt, dass er die Zukunft Serbiens an der Seite Russlands sieht.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Einst war er ein Spitzenmann der großserbischen Nationalisten. Jetzt ist Tomislav Nikolic Staatspräsident Serbiens. An seiner Haltung hat sich zumindest in einem Punkt offenbar nichts geändert. Für ihn bleibt das Kosovo ein Teil Serbiens.

Der serbische Präsident Tomislav Nikolic legt einen explosiven Kosovo-Plan vor: Er will die abtrünnige ehemalige Provinz wieder in sein Land eingliedern. Das Staatsoberhaupt habe der Regierung in Belgrad eine entsprechende "Plattform" übermittelt, berichtete der TV-Sender B92. Jetzt soll die Regierung darüber beraten und sie dem Parlament zur Entscheidung vorlegen. Nikolic torpediert mit seinem Plan die jahrelange EU-Vermittlung zwischen den beiden Nachbarn und gefährdet Belgrads Annäherung an Brüssel.

Ende der 1990er-Jahre entbrannte in der damaligen Provinz Kosovo ein Krieg. Die Paramilitärs der UÇK kämpften um die Unabhängigkeit der überwiegend albanischen Bewohner der Provinz. Ihnen standen die Kräfte der Bundesrepublik Jugoslawien entgegen, zu der auch Serbien gehörte. Hunderttausende Bewohner der Region waren auf der Flucht auch angesichts weitverbreiteter Kriegsverbrechen der jugoslawischen Sicherheitskräfte. Die Nato griff 1990 mit Luftschlägen in den Konflikt ein.

Regierungschef in Erklärungsnot

Seit 2008 ist Kosovo unabhängig und wurde seither von mehr als 100 Staaten anerkannt. Abgesehen von einer serbischen Minderheit im Norden des Landes leben heute fast nur noch Albaner in dem Land. Die EU bemühte sich darum, dass Serbien und Kosovo gutnachbarliche Beziehungen aufbauen.

Geht es nach Präsident Nikolic, sind diese Bestrebungen aber obsolet. Sein Plan sieht vor, das Kosovo innerhalb Serbiens lediglich eine sehr weit gefasste Autonomie bekommt.

Nikolics Kosovo-Vorhaben bringt den serbischen Regierungschef Aleksandar Vucic in Erklärungsnot. Der strebt eine EU-Mitgliedschaft seines Landes an. Erst am Vortag hatte er in Brüssel beim Treffen der EU-Außenminister auf die angeblich vielen Zugeständnisse seines Landes in der Kosovo-Frage verwiesen und die schnelle Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen als Belohnung verlangt.

Nikolic könnte Vucics Dilemma dagegen recht sein. Der Präsident war einst Spitzenmann der großserbischen Nationalisten. Als Staatspräsident setzte er sich zwar wiederholt für einen pro-europäischen Kurs des Landes ein.  Er sagt aber auch immer wieder offen, dass er die Zukunft des Balkanstaates an der Seite Russlands sieht. Kosovo als unabhängigen Staat erkannte er nie an.

Quelle: ntv.de, ieh/AFP