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Friedens-Prozession in Essen Sikh trotzen dem Terror mit Farbe

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Festlich geschmückte Gemeindeglieder singen religiöse Lieder und Gebete.

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Erst vor einer Wochen explodierte vor dem Gemeindezentrum der Sikh in Essen eine Bombe: Nun ziehen rund 1000 Anhänger in einer bunten Prozession durch die Stadt und zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen.

Spielerisch schlagen in traditionelle Uniformen gekleidete Jugendliche stumpfe Schwerter aneinander und lachen sich an. Andere drehen mit bunten Plastikkugeln beschwerte Schnüre über sich, so dass sich ein Rad ergibt. Die Sikh-Gläubigen sind extra aus Frankreich nach Essen geholt worden, um die traditionelle Kampfkunst "Gatka" bei einer Prozession vorzuführen.

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Auf den Straßen spielen Kinder mit bunten Plastikkugeln beschwerten Schnüren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erst vor einer Woche explodierte eine Bombe vor dem Sikh-Gemeindezentrum in Essen. Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer, es war der Priester der Gemeinde. Kurz vor dem Attentat waren noch rund 200 Menschen dort gewesen - um ein Haar wäre noch Schlimmeres passiert.

Zwei Jugendliche aus Essen und Gelsenkirchen, die erst 16 Jahre alt sind, sollen die Täter sein. Sie sitzen inzwischen in Untersuchungshaft und haben laut Essener Polizei klare Bezüge zur islamistischen Terrorszene. Die Hintergründe des Anschlags sind unklar. Über die Motive der beiden wurde bislang noch nichts bekannt.

Solidarität und Präsenz zeigen

Nur eine Woche nach dem Anschlag veranstalten die Essener Sikhs trotzdem ihre seit Monaten geplante Prozession namens "Nagar Kirtan". Dabei geht es auch darum, sich als Minderheit bekannt zu machen. Denn nur in Indien gibt es eine Region, in der die weltweit etwa 27 Millionen Sikhs die Mehrheit bilden. In Essen sind etwa 1000 Gläubige zum Umzug gekommen. Die meisten aus Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland.

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Die Sikhs sind eine Reformbewegung aus dem 15. Jahrhundert.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir wollen Solidarität und Präsenz zeigen - deshalb sind viele Leute gekommen", sagt ein Sikh aus Stuttgart. "Sikhs - Für Frieden auf Erden" steht auf einem Plakat, das einige Männer vor der religiösen Demonstration hertragen. Die Heilige Schrift der Sikhs wird auf einem Lastwagen unter einem goldenen Baldachin mitgeführt. Dahinter sitzen Priester, einer schwenkt eine Art Wedel über dem mit einem Tuch bedeckten Buch. Festlich geschmückte Gemeindeglieder singen religiöse Lieder und Gebete.

"Es gibt keine Aggressivität"

Am Straßenrand stehen Harald und Elke Risse aus Essen. Sie seien neugierig gewesen nach den vielen Berichten der vergangenen Tage. "Es ist mutig und beeindruckend, dass die Gemeinde diese Prozession eine Woche nach den Anschlägen durchzieht", sagt der 56-Jährige. Ihnen sind die Teilnehmer sympathisch: "Es gibt keine Aggressivität. Sie kommen freundlich auf einen zu."

Sikhs sind streng gläubige Anhänger einer religiösen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstand. Der Wanderprediger Guru Nanak (1469-1538) versuchte, mit der neuen Religion eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam zu schaffen. In Essen kommt auch Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) zu den Gläubigen. "Die Veranstaltung ist ein starkes Zeichen dafür, dass wir uns nicht einschüchtern lassen", sagt er. "Ich bin auch der Oberbürgermeister der Sikhs."

Quelle: n-tv.de, Helge Toben, dpa

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