Politik

Der SPD bleibt nur ihr bester Mann Steinmeier dümpelt hinter Merkel

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Steinbrück, Gabriel und Steinmeier (v.l.): Gabriel hat das Vorschlagsrecht, wer im kommenden Jahr gegen Kanzlerin Merkel antreten soll.

(Foto: dapd)

Der SPD fällt in der Frage der Kanzlerkandidatur offenbar nicht viel Neues ein. In der politischen Debatte um die K-Frage läuft derzeit alles auf den besten Mann in der Troika, Frank-Walter Steinmeier, hinaus. Laut der aktuellen Forsa-Umfrage ist Steinmeier im direkten Vergleich zur Kanzlerin jedoch chancenlos. Einzig Hannelore Kraft könnte Merkel Paroli bieten.

In der SPD wird über die Kür des Kanzlerkandidaten debattiert. Einige SPD-Politiker fordern eine Entscheidung "bis Ende des Jahres". Andere schlagen vor, es solle eine TV-Debatte der möglichen Kandidaten nach US-Vorbild oder eine Vorwahl nach französischem Vorbild geben, wieder andere fordern eine stärkere Einbeziehung auch von Frauen in ein sozialdemokratisches Spitzenteam.

Ausgelöst hatte die Debatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, der am Wochenende eindeutig Partei für den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier ergriffen hatte. Steinmeier lehnte am Dienstag bei einem Messe-Rundgang in Essen eine Stellungnahme zu einer Kanzlerkandidatur strikt ab. Neben ihm gelten noch Parteichef Sigmar Gabriel und der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als Kandidaten. Das Vorschlagsrecht liegt bei Gabriel.

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Steinmeier hat die besten der schlechten Quoten.

(Foto: dpa)

Blickt man auf die aktuellen Umfragewerte, können aber weder Steinmeier, noch Steinbrück und schon gar nicht Gabriel gegen die Kanzlerin punkten. Im direkten Vergleich liegt Steinmeier derzeit 21 Prozentpunkte hinter Angela Merkel, die nach Angaben des Umfrageinstituts Forsa auf 49 Prozent Zustimmung kommt. Bei Steinbrück sind es schon 24 und bei Gabriel sogar 44 Prozentpunkte, die den Popularitätsabstand im direkten Vergleich zur Bundeskanzlerin kennzeichnen. Von den Anhängern der SPD stimmen aber fast zwei Drittel (61 Prozent) für Steinmeier, während Steinbrücks Zustimmung noch bei 55 Prozent liegt, scheint Gabriel mit nur 32 Prozent tatsächliche chancenlos. Sogar im direkten Vergleich würden die SPD-Anhänger Merkel mit 43 Prozent den Vorrang vor Gabriel einräumen.

Offiziell noch vier Monate Zeit

Die SPD-Parteispitze ist derweil bemüht, ihren Terminplan zu bekräftigen. Generalsekretärin Andrea Nahles rief dazu auf, die Diskussion unverzüglich zu beenden, da sie derzeit der Partei schade. Offiziell soll die Kandidatenfrage erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen geklärt werden, die am 20. Januar stattfindet.

Der SPD-Linke Ernst Dieter Rossmann schlug vor, unabhängig von der Kandidatenentscheidung die Männer-Troika seiner Partei durch ein auch mit Frauen besetztes Team abzulösen. "Die starken, profilierten Frauen in der SPD gehören vor der Bundestagswahl in die erste Reihe der Partei", sagte er. Die SPD solle ein "Kernteam" aufstellen, zu dem neben Gabriel, Steinmeier und Steinbrück auch die Parteivizes Manuela Schwesig und Aydan Özoguz sowie Generalsekretärin Nahles gehören sollten.

Der Stärkste ist eine Frau

Unter den Anhängern der SPD wie auch der gesamten Wählerschaft sticht dieser Tage nur aber ein Sozialdemokrat heraus: Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Sie kann laut Umfragen selbst Merkel schlagen. Doch da Kraft ihr Bundesland im kommenden Jahr noch nicht verlassen will, bleibt der SPD nur Steinmeier.

Für die drei möglichen SPD-Kandidaten könnte sich die K-Frage nach der Forsa-Umfrage auch noch ganz anders stellen: Wer nimmt es auf sich, 2013 gegen Angela Merkel zu verlieren? Dass es in Deutschland derzeit keine Wechselstimmung gibt - wie etwa 1998 nach 16 Jahren Regierung Helmut Kohl - ist laut den Forsa-Zahlen offensichtlich. Auch die sogenannte Sonntagsfrage deutet darauf hin: Demnach liegen Union (36) und FDP (4) mit zusammen 40 Prozent knapp vor Rot-Grün mit 26 beziehungsweise 13 Prozent. SPD und Grüne wären - sollten die Liberalen im Bundestag bleiben - auf Unterstützung angewiesen, um die Regierung zu stellen. Zur Wahl stünden ihnen dabei die Linken, die auf eine Zustimmung von sieben Prozent kommen, oder die Piraten, die weiter konstant bei neun Prozent liegen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa