Politik

"Massive Bedrohung" Syrer Alaows gibt Bundestagskandidatur auf

In Nordrhein-Westfalen machte der aus Syrien geflüchtete Tareq Alaows Schlagzeilen damit, dass er für den Bundestag kandidierte. Doch nun gibt er sein Vorhaben auf - er fürchtet um seine Sicherheit.

Der einst aus Syrien geflohene Aktivist und Grünen-Politiker Tareq Alaows gibt seine Kandidatur für den Bundestag auf. "Die hohe Bedrohungslage für mich, und vor allem für mir nahestehende Menschen, ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur", hieß es in einer Mitteilung seines Büros. Alaows hatte Anfang Februar angekündigt, sich im Wahlkreis Dinslaken/Oberhausen in Nordrhein-Westfalen zur Wahl zu stellen. Es war den Angaben zufolge die erste Bundestagskandidatur eines Geflüchteten.

In der Mitteilung heißt es, Alawos habe "massive Rassismuserfahrungen" gemacht, die "erschreckend" gewesen seien. "Meine Kandidatur hat gezeigt, dass wir in allen Parteien, der Politik und der Gesellschaft starke Strukturen brauchen, die strukturellem Rassismus entgegentreten und Betroffenen helfen", wird er darin zitiert. "In unserer Gesellschaft mangelt es leider an diskriminierungsfreien Räumen in allen Bereichen des Lebens", so Alaows. Er ruft dazu auf, sich für eine Veränderung einzusetzen und bedankt sich für die Unterstützung, die er auch außerhalb seiner Partei erfahren habe.

Alaows wolle sich nun zu seinem eigenen Schutz und dem seines Umfeldes "für einen gewissen Zeitraum" aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Auch Presseanfragen zu seinem Rückzug werde er nicht beantworten. Er war 2015 als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen und fand in Nordrhein-Westfalen eine neue Heimat, wie er in einem Wahlkampfvideo erzählt, das Anfang Februar auf Twitter erschien.

Deutsch mit dem Grundgesetz gelernt

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Tareq Alaows vor dem Reichstagsgebäude - die Aufnahme entstand im Februar, kurz nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Der Deutschlandfunk berichtete, der 31-Jährige lebe in Berlin, wo er für ein Projekt von Künstlern und Geflüchteten arbeite. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat er demnach noch nicht, was aber Voraussetzung für den Einzug in den Bundestag wäre. Dem Sender sagte er, er gehe davon aus, dass sie ihm in Kürze erteilt werde. Er plant demnach auch, in seinen Wahlkreis zu ziehen.

In dem Wahlkampf-Video erzählt der Jungpolitiker, dass er sich als Bundestagsabgeordneter der Grünen vor allem für die Menschenrechte einsetzen und den Hunderttausenden Flüchtlingen in Deutschland eine politische Stimme geben wolle. Er erzählt von seiner Flucht aus Syrien und seiner Ankunft in Deutschland samt Unterbringung in einer Bochumer Turnhalle.

In der Folge habe er sich für die Rechte von Flüchtlingen engagiert und für den Verein Seebrücke Demonstrationen für die Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen auf dem Mittelmeer mit organisiert. Deutsch habe er unter anderem dadurch gelernt, dass er sich das Grundgesetz übersetzte. In Syrien habe er Jura studiert und jahrelang für die Hilfsorganisation Roter Halbmond gearbeitet.

Bei Twitter nannte es Bundesaußenminister Heiko Maas "erbärmlich für unsere Demokratie", dass die erste Bundestagskandidatur eines Geflüchteten aus Syrien an Bedrohungen und Rassismus scheitere. Er rief zur Solidarität mit Alaows auf - und mit "allen, die sich ehrenamtlichamtlich engagieren und angefeindet werden". Ähnlich entsetzt reagierte Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag: "Dass es Tareq Alaows nicht möglich ist, für den Bundestag zu kandidieren, ohne seine und Sicherheit seiner Familie aufs Spiel zusetzen ist hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft", schrieb sie auf Twitter.

Quelle: ntv.de, vpe

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