Politik

HRW-Bericht sieht totale Verrohung Syrische Rebellen morden wie das Regime

Oppositionsgruppen in Syrien verüben systematisch Kriegsverbrechen an Zivilisten. Human Rights Watch dokumentiert exemplarische Fälle und kommt zu einer wenig Hoffnung machenden Schlussfolgerung.

Die Rebellengruppen in Syrien haben einem Bericht der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW) zufolge zahllose Verbrechen an Zivilisten begangen. Dazu gehören Autobombenanschläge, Mörserattacken und Raketenbeschuss. In den von HRW untersuchten Fällen habe es Hunderte von Toten und Verletzten gegeben. Außerdem sei zivile Infrastruktur zerstört worden.

Solche Angriffe könnten auch nicht mit dem Verweis auf Verbrechen der Regierungstruppen gerechtfertigt werden, erklärte die Organisation. Der Bericht mit dem Titel "Er hätte nicht sterben müssen" dokumentiert Anschläge zwischen Januar 2012 bis April 2014 in den Gebieten Syriens, die zu diesem Zeitpunkt von den Regierungstruppen kontrolliert wurden und auch heute noch von der Armee gehalten werden.

Die Menschenrechtsorganisation beklagt eine Spirale der Gewalt, bei der die Rebellen ebenso skrupellos wie die Regierungstruppen handelten. HRW-Nahost-Koordinator Nadim Houry sagte: "Wir erleben in Syrien eine Abwärtsspirale, bei der die Rebellengruppen die Schonungslosigkeit des Regimes nachahmen. Die Folgen für die Zivilisten sind verheerend."

Bei den untersuchten Angriffen kamen auch viele Kinder ums Leben, mindestens sechs Grundschulen wurden getroffen. Schauplätze des Terrors waren auch Einkaufszentren, Wohngebiete und in einem Fall ein Friedhof mit einer Trauergesellschaft.

"Auch Oppositionelle unterstehen Kriegsrecht"

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Rebellen von der Freien Syrischen Armee feuern im Damaszener Vorort Duma Geschosse in Richtung der Regierungstruppen.

(Foto: REUTERS)

In dem Bericht wird gemutmaßt, dass die Angriffe allein darauf ausgerichtet seien, Terror zu verbreiten. Die Autobombenanschläge werden hauptsächlichen radikal-islamischen Rebellengruppen wie der Nusra-Front, der Islamischen Front sowie der als besonders brutal geltenden Dschihadistenmiliz Islamischer Staat zugeschrieben. Auffällig sei dabei, dass solche Anschläge dort stattgefunden hätten, wo besonders viele religiöse Minderheiten wie Christen, Drusen, Schiiten und Alawiten lebten.

Human Rights Watch beklagt, dass die unter "Rebellen" zusammengefassten höchst unterschiedlichen Milizen ihre Attacken damit rechtfertigten, das Regime verübe ebensolche Verbrechen. "Bewaffnete Oppositionsgruppen unterstehen dem Kriegsrecht. Die Achtung des Rechts hängt nicht davon ab, ob die andere Seite es achtet", heißt es. Dabei wird darauf verwiesen, dass die Organisation bereits mehrfach auch die Verbrechen des syrischen Regimes dokumentiert habe.

In Syrien kämpfen Dutzende islamistische und nicht-islamistische Milizen gegeneinander. Vor allem im dicht besiedelten Westen des Landes hält das Regime strategisch wichtige Orte oder hat diese zum Teil vergangenes Jahr zurückerobert. Die Dschihadisten des IS haben sich vor allem im Norden und Osten Syriens ausgebreitet.

Als Konsequenz aus all dem Grauen in Syrien bleibt HRW nur ein sich über zwei A4-Seiten erstreckender Appell an die kämpfenden Gruppen und ihre Unterstützer, die Regimetruppen, den Uno-Sicherheitsrat und an "alle Länder". Die Kriegsparteien werden aufgefordert, sich wenigstens an das Kriegsrecht zu halten und Zivilisten zu schonen. Die Uno solle weiterhin Druck auf die Kriegsparteien ausüben und die existierenden Resolutionen durchsetzen. Alle anderen sollen die Kriegsverbrechen verurteilen und untersuchen. Besser lässt sich die Ratlosigkeit, die in der Welt angesichts des Mordens in Syrien herrscht, wohl kaum dokumentieren.

Quelle: ntv.de