Politik

Sprecher der Bewegung dementiert Taliban-Chef Mullah Omar ist tot

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Mit diesem Foto wurde jahrelang nach Mullah Omar gefahndet.

(Foto: AP)

Der Chef der Taliban, Mullah Omar, soll tot sein. Regierungsvertreter in Afghanistan bestätigen das, die Taliban dementieren. Doch erstmals scheint am Ableben des Ober-Talibs etwas dran zu sein. Jüngere Grußbotschaften wären dann Fälschungen.

Der Chef der Taliban in Afghanistan, Mullah Omar, ist tot. Das berichtete zunächst die BBC und berief sich auf Offizielle in Afghanistan. Der afghanische Geheimdienst bestätigte dies am späten Nachmittag öffentlich. Todesmeldungen gab es in der Vergangenheit schon häufiger, räumt auch die BBC ein. Doch dieses sei das erste Mal, dass die Nachricht von Regierungsvertretern und Geheimdienstlern bestätigt worden sei.

Dem britischen Sender "Sky News" zufolge hat ein Taliban-Sprecher nun aber behauptet, Mullah Omar sei am Leben und immer noch Führer der Taliban. Dem Bericht von BBC zufolge soll Mullah Mohammed Omar bereits vor zwei oder drei Jahren gestorben sein. Die pakistanische Zeitung "The Express Tribune" berichtet, dass Omar einer Tuberkulose-Erkrankung erlegen sei. Beweise gibt es weder für die eine noch für die andere Nachricht.

Wenn die Todesnachricht stimmt, haben die Taliban während der gesamten Zeit seit dem Ableben Mullah Omars ohne den Chef weiter operiert. Noch vor zwei Wochen meldeten Medien, Mullah Omar habe die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung "begrüßt". Grundlage war eine - wie jetzt klar ist: fiktive - Grußbotschaft des Talibanchefs zum Ende des Ramadan.

Bamian-Sprengung und Burka-Gebot

Der 1959 oder 1960 geborene Mullah Omar war 1996 Anführer der Taliban geworden, als diese die Macht in Afghanistan übernahmen. In den 1980er Jahren hatte er im Widerstand gegen die Sojwetunion gekämpft. Aus dieser Zeit stammte eines seiner Hauptmerkmale, das durch ein Schrapnell entstellte rechte Auge.

Nach dem Rückzug der Sowiets im Jahr 1992 stürzte das Land in einen langen Bürgerkrieg. Mullah Omar führte die Taliban zu einem Sieg gegen andere Milizen. Die Islamisten machten Afghanistan zum "Islamischen Emirat" und führten übertrieben strenge islamische Vorschriften ein, wie etwa die Burkapflicht für Frauen.

2001 befahl Mullah Omar die Zerstörung der weltberühmten Buddha-Statuen von Bamian. Nach den Anschlägen in New York am 11. September desselben Jahres stürzten die USA das Taliban-Regime in ihrem damals ausgerufenen Krieg gegen den Terror und Al-Kaida. Zuvor hatten die Taliban sich geweigert, Bin Laden auszuliefern. Danach tauchte Mullah Omar ab. Die USA setzten damals ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn aus. Mullah Omar wurde in Pakistan vermutet, wo er den neuen Berichten zufolge auch starb.

Quelle: ntv.de, nsc