Politik

Ex-Diplomat zu Afghanistankurs "Trump-Administration war Amateurhaufen"

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Zwölf Jahre lang war Christoph Heusgen außenpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der ehemalige Sicherheitsberater von Kanzlerin Merkel, Christoph Heusgen, übt scharfe Kritik an der Afghanistanpolitik der USA. Trumps Abkommen mit den Taliban nennt er einen "schweren Fehler". Bidens Truppenabzug sei zu schnell erfolgt. Für zukünftige Bundeswehr-Einsätze fordert er Konsequenzen.

Der frühere einflussreiche Diplomat Christoph Heusgen hat den Afghanistankurs des früheren US-Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert. "Die Trump-Administration war ein diplomatischer Amateurhaufen", sagte der ehemalige Sicherheitsberater der Bundeskanzlerin Angela Merkel dem "Spiegel". Es sei ein "schwerer Fehler" gewesen, ein Abkommen mit den Taliban zu schließen und die afghanische Regierung beiseitezulassen.

Heusgen hätte sich von Trumps Nachfolger Joe Biden eine Entscheidung gegen den schnellen Abzug gewünscht. "Ich persönlich finde, wir hätten länger in Afghanistan bleiben sollen, so wie die Amerikaner über Jahrzehnte in Japan, Südkorea oder Deutschland. Der entscheidende Unterschied war, dass die Regierungen dort beim Aufbau von Demokratie und Institutionen mitgewirkt haben und die Bürger dahinterstanden", sagte der Diplomat.

Mit Blick auf Konsequenzen für Deutschland aus der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban sagte Heusgen, Einsätze der Bundeswehr sollten in Zukunft von klaren Erwartungen an die Regierung des jeweiligen Gastlandes abhängig gemacht werden. "Wir haben den Fehler gemacht, dass wir die afghanischen Verantwortlichen nicht zu guter Regierungsführung gezwungen haben. Wir hätten unsere Hilfe viel stärker an Bedingungen knüpfen müssen."

Afghanische Politiker hätten in erster Linie an sich und ihre Clans gedacht, daher sei es nicht überraschend, dass sie kein Ansehen in der Bevölkerung und bei den Sicherheitskräften gehabt hätten. "Als es ernst wurde, haben alle das Weite gesucht. Das hätte man mit ein bisschen gesundem Menschenverstand vorhersehen können."

Afghanistan war Mitte August nach rund zwei Jahrzehnten Engagement westlicher Staaten wieder an die Taliban gefallen. Die USA und Deutschland waren die größten Truppensteller. Heusgen war 2017 nach zwölf Jahren im Kanzleramt als deutscher Botschafter zu den Vereinten Nationen nach New York gegangen. Ende Juni endete seine Amtszeit. Anschließend wurde er als Anwärter für die Nachfolge von Wolfgang Ischinger als Chef der Münchner Sicherheitskonferenz gehandelt.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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