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"Raptor"-Flieger mit Tarnkappe US-Kampfjets landen in Polen

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Ankunft der US-Vorhut in Lask südwestlich von Lodz: Von Zentralpolen aus können die Tarnkappenjets den europäischen Luftraum kontrollieren.

REUTERS

Diese Maschinen sind der ganze Stolz der US-Luftwaffe: Zur Unterstützung der Nato-Partner verlegt das Pentagon zwei seiner modernste Hightech-Kampfmaschinen in den Osten Europas. Die F-22 bilden nur die Vorhut.

Auf einem Stützpunkt im Zentrum Polens sind zu Wochenbeginn zwei US-Tarnkappenjets vom Typ F-22 "Raptor" gelandet. Die Landung der hochmodernen Kampfflugzeuge wurde live im polnischen Fernsehen übertragen. Die Maschinen waren dem Bericht zufolge am US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz gestartet und quer über Deutschland hinweg nach Polen geflogen. Dort erreichten sie ihren neuen Stationierungsort auf dem Stützpunkt Lask südwestlich von Lodz.

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Ankunft der US-Vorhut in Lask südwestlich von Lodz: Von Zentralpolen aus können die Tarnkappenjets den europäischen Luftraum kontrollieren.

(Foto: AP)

In Polen sind die hochentwickelten Waffensysteme aus den USA hochwillkommen. Das Land grenzt im Südosten an die Ukraine. Die Regierung in Warschau sieht sich durch Russlands Verhalten auf der Krim und im Ukraine-Konflikt selbst bedroht. In der Ostukraine kämpfen Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten. In dem Konflikt wurden seit April 2014 fast 7000 Menschen getötet.

"Die Entsendung der Maschinen demonstriert unsere Entschlossenheit und unser Engagement für die europäische Sicherheit", hatte der Kommandeur der US-Luftstreitkräfte in Europa, Vier-Sterne-General Frank Gorenc, zuvor erklärt.

Tarnkappenjets als Speerspitze

Der Konflikt erzeugt die schärfsten Ost-West-Spannungen seit dem Ende des Kalten Krieges. Polen bemüht sich um einen stärkeren Schutz durch Kräfte der verbündeten Nato-Partner. Westliche Regierungen werfen Russland vor, die Aufständischen in der Ukraine mit Waffen zu versorgen und eigene Kampftruppen einzusetzen, was Moskau bislang stets vehement bestreitet.

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Zwei Triebwerke, ein Pilot, Stealth-Design zur Unterdrückung des Radarechos: Die F-22 ist vollgestopft mit neuester Elektronik (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Die Ankunft neuer Waffensysteme aus den USA verstehen Beobachter daher vor allem als symbolische Geste: Washington demonstriert damit den Willen, den Bündnispartnern in Zentral- und Osteuropa mit militärischer Stärke Beistand zu leisten. Die Tarnkappenjets können dank ihres Designs und einer besonderen, streng geheimen Beschichtung nur schwer von herkömmlichen Radaranlagen entdeckt und verfolgt werden. Insgesamt verfügen die US-Streitkräfte über 180 dieser Maschinen.

Hochmoderne Jagdflugzeuge

Ausgelegt sind die Maschinen als Luftüberlegensheitsjäger, das heißt, sie eignen sich besonders zur Überwachung und Kontrolle von Flugbewegungen. Im Ernstfall könnten die "Raptoren" allerdings auch Lenkwaffen oder Freifallbomben aufnehmen, um damit weit entfernte Ziele hinter den feindlichen Linien zu bekämpfen. Hersteller der F-22 ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin. Mit ihren zwei direkt nebeneinander liegenden Strahltriebwerken ist die einsitzige F-22 deutlich schwerer und größer als etwa ältere Jagdmaschinen vom Typ F-16 "Fighting Falcon".

Maschinen vom Typ F-22 sind bei der US-Luftwaffe erst seit Ende 2005 im Einsatz. Bislang verfügen Piloten und Hersteller nur über vergleichsweise wenig Erfahrungen aus der Praxis. Seit vergangenem September werden die Hightech-Jets allerdings auch bei Luftangriffen auf mutmaßliche Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien eingesetzt.

Muskelspiele am Himmel

Ihre stärksten Fähigkeiten können die F-22 im Kampf gegen den IS allerdings nicht zum Tragen bringen: Die Islamisten verfügen weder über leistungsfähige Anlagen zur Flugabwehr noch über eigene Fluggeräte. Die multinationale Anti-IS-Koalition kann über Syrien und dem Irak also auch ohne Hightech-"Raptoren" bereits die absolute Lufthoheit ausüben. Russland baut unter Hochdruck an eigenen Kampfjets, die es in Sachen Stealth-Technologie und Flugeigenschaften mit der F-22 aufnehmen sollen.

Im Einsatz über Polen könnten die Piloten der US-Luftwaffe bald schon Erfahrungen im Kontakt mit russischen Militärmaschinen sammeln. Seit vergangenem Jahr verzeichnen Nato-Staaten verstärkte Aktivitäten an der Grenze zum europäischen Luftraum. Wiederholt flogen russische Einheiten wie zu Zeiten des Kalten Krieges unangemeldet in die westliche Einflusszone ein - was dort umgehend Routinealarm auslöste.

"Abrams", "Bradleys" und Haubitzen

In der vergangenen Woche kündigte die Regierung in Warschau für Mitte 2016 die Stationierung von schweren US-Waffen auf zwei Stützpunkten in Polen an. Das Arsenal aus Panzern und Panzerhaubitzen solle auf einem Stützpunkt im Westen des Landes und auf einem Stützpunkt im Nordosten untergebracht werden, sagte Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak.

Das US-Verteidigungsministerium hatte im Juni mitgeteilt, es sollten in Polen, Bulgarien, Rumänien und in den baltischen Staaten zeitweise 90 schwere Kampfpanzer vom Typ M1A1 "Abrams", 140 Schützenpanzer vom Typ M2 "Bradley" und zusätzlich 20 Panzerhaubitzen stationiert werden.

Der Konflikt in der Ukraine und die Annexion der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim durch Russland lösen nicht nur in Polen, sondern auch in den Staaten des Baltikums Sorge vor einer expansionistischen Außenpolitik Russlands. Deutsschland unterstützt seit kurzem die baltischen Staaten bei der Luftraumübewachung mit einer Staffel an Eurofightern "Typhoon" der Bundeswehr.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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