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Iraks Truppen "ohne Kampfgeist" USA schreiben Mossul ab

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Die irakische Armee soll nach dem Willen der USA mit sunnitischen Kämpfern aufgestockt werden.

(Foto: dpa)

Den irakischen Truppen fehlt es an Kampfgeist, schimpft US-Verteidigungsminister Carter. Deshalb sollen nun weitere US-Soldaten in den Irak geschickt werden. Rückschläge, wie der Verlust Mossuls an den IS, müssten vermieden werden.

Nach den jüngsten Rückschlägen im Kampf gegen die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) wollen die USA ihr militärisches Engagement im Irak ausweiten. Künftig sollten mehr Iraker ausgebildet werden, erklärte Armee-Sprecher Steven Warren in Washington. Aus Regierungskreisen verlautete, derzeit werde die Entsendung Hunderter weiterer US-Ausbilder geprüft. Der IS hatte im Mai die bedeutende irakische Stadt Ramadi erobert.

Eine Mitschuld an der Misere gab US-Verteidigungsminister Ashton Carter den irakischen Truppen, sie hätten keinen Kampfgeist, das habe sich vor allem in Ramadi gezeigt. "Wir können ihnen modernste Waffen liefern, wir können sie ausbilden, aber wir können ihnen keinen Kampfgeist einflößen", hatte Carter gesagt.

Es sei im Interesse aller, die Ausbildung der irakischen Soldaten auszuweiten, sagte Warren. Die US-Armee wolle insbesondere mehr Sunniten für den Kampf gegen den IS gewinnen. Eine Ausweitung der Ausbildungsmission könne auch eine Aufstockung der US-Militärkräfte vor Ort nötig machen – und eine neue Militärbasis, fügte Warren hinzu. Die Ausbildungsbasis könnte in der Wüstenprovinz Anbar im Westen des Landes entstehen. Die endgültige Entscheidung liege bei Präsident Barack Obama.

Der IS hat weite Gebiete des Irak erobert und konnte auch durch Luftangriffe der US-geführten Koalition bislang nicht gestoppt werden. Mitte Mai eroberten die Dschihadisten Ramadi, die Hauptstadt der Provinz Anbar. Dies nährte Befürchtungen, dass die IS-Kämpfer bald zu einer weiteren Offensive ansetzen.

Mossul muss warten

Bislang hatte die US-Regierung immer die Rückeroberung der IS-Hochburg Mossul als wichtigstes strategisches Ziel gesetzt. Doch dieses Vorhaben scheint nun nicht mehr Priorität zu genießen. In Washington heißt es offiziell, die Rückeroberung Mossuls sei auf unbestimmte  Zeit verschobene worden.

Derzeit sind rund 3000 US-Soldaten in vier Ausbildungslagern im Irak im Dienst. Die USA und ihre Bündnispartner haben bislang knapp 9000 irakische Kämpfer ausgebildet, 2600 weitere befinden sich derzeit in der Ausbildung.

Die Aufsicht über die Ausbildung sunnitischer Kämpfer im Irak hat bislang die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad. Die USA sind mit den Ergebnissen allerdings nicht zufrieden und wollen die Sache nun offenbar selbst in die Hand nehmen. 2006 hatten die USA mit dem Einsatz sunnitischer Stammeskämpfer gegen das islamische Terrornetzwerk Al-Kaida im Irak gute Erfahrungen gemacht. Unter den Sunniten herrscht allerdings anhaltendes Misstrauen gegen die schiitisch geprägte Regierung in Bagdad. Der IS versucht, sich diese Ressentiments zunutze zu machen.

Bald mehr Ausbilder als Rekruten

Allerdings ergeben sich vor Ort noch weitere Schwierigkeiten. So fehlt es immer wieder an Rekruten für die US-Ausbildung. Im Ausbildungslager al-Asad in der Provinz Anbar hatten zuletzt Hunderte US-Soldaten nichts zu tun, weil die irakische Regierung nach Angaben des Pentagon die Rekruten abzog, um sie zum Schutz von Pilgern einzusetzen.

Obama hatte am Montag beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau den irakischen Regierungschef Haider al-Abadi getroffen und erklärt: "Wir wollen mehr ausgebildete, frische, gut ausgerüstete und konzentrierte irakische Truppen haben." Alle Mitglieder der US-geführten Koalition gegen den IS seien "bereit, mehr zu tun, um irakische Sicherheitskräfte auszubilden, wenn sie das Gefühl haben, dass zusätzliche Anstrengungen genutzt werden". Es gebe im Irak aber immer wieder "Orte, an denen wir mehr Ausbildungskapazitäten als Rekruten haben".

Quelle: n-tv.de, ppo

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