Politik

Militärmanöver reizt Nordkorea USA und Südkorea starten "Vigilant Ace"

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Futuristische Tarnkappenjäger: Kampfjets des Typs F-22 "Raptor" vor dem Start in Südkorea.

(Foto: AP)

Kurz nach dem Test einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete wird es am Himmel über Südkorea laut: Die USA beginnen das bislang größte Luftmanöver dieser Art in der Region. An der Übung nehmen rund 12.000 Soldaten mit mehr als 230 Maschinen teil.

Südkoreanische und US-Streitkräfte haben die bislang größte gemeinsame Luftwaffenübung dieser Art gestartet. An dem fünftägigen Manöver "Vigilant Ace" (etwa: "wachsames Ass") sollen nach Militärangaben mehr als 230 Kampfflugzeuge einschließlich Tarnkappen-Jets der USA vom Typ F-22 "Raptor" und F-35 "Lightning II" sowie etwa 12.000 Luftwaffen-Soldaten teilnehmen. Die bis Freitag stattfindende Übung soll die "Bereitschaft" der beiden verbündeten Länder stärken, heißt es.

Laut südkoreanischen Medienberichten könnten daran auch wieder US-Langstreckenbomber des Typs B-1B teilnehmen. Maschinen dieses Typs wurden in den Zeiten des Kalten Krieges entworfen, um Nuklearwaffen oder Präzisionsbomben im Tiefflug weit ins feindliche Hinterland zu tragen.

Wie andere US-Militärmanöver in der Region auch, findet "Vigilant Ace" regelmäßig einmal im Jahr statt. Neu ist diesmal einerseits der erweiterte Umfang und andererseits der Hintergrund verschärfter politischer Spannungen. Im November des vergangenen Jahres hatten mehr als 16.000 Soldaten mit knapp 200 Flugzeugen an Übung teilgenommen.

US-Senator spricht von "Präventivkrieg"

Nordkorea erklärte mit Blick auf "Vigilant Ace", das Manöver sei eine "offene und umfassende Provokation", die jederzeit zu einem Atomkrieg führen könne. Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, H.R. McMaster, warnte vor der "jeden Tag wachsenden" Gefahr eines Kriegs mit Nordkorea.

Auch der republikanische US-Senator Lindsey Graham warnte vor einem sich anbahnenden "Präventivkrieg". Dem US-Sender CBS sagte Graham, sollte Nordkorea erneut einen unterirdischen Atomwaffentest vornehmen, "dann sollten Sie sich auf eine sehr schwerwiegende Antwort der Vereinigten Staaten einstellen".

Fast die gesamte Welt in Reichweite

Nordkoreas Atomwaffen- und Raketentests lösen international große Sorge aus. Zuletzt hatte das weitgehend isolierte Land am Mittwoch eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 getestet. Der Test war international scharf kritisiert worden. Die Regierung in Moskau etwa sprach von einer "Provokation". Aus Washington hieß es, das nordkoreanische Raketenprogramm sei eine "ernste Bedrohung für die gesamte Welt".

Das diplomatisch isolierte Land erklärte kurz nach dem Test, es könne jetzt dank der erweiterten Reichweite das gesamte Festland der USA mit Atomsprengköpfen angreifen. Theoretisch befindet sich damit auch Europa in Reichweite nordkoreanischer Geschosse. Seit 2006 hatte die Führung in Pjöngjang sechs Atomwaffentests zunehmender Stärke durchgeführt.

Der Start des neuen Militärmanövers rief in Pjöngjang zu Wochenbeginn erneut zornige Reaktionen hervor: Das nordkoreanische "Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung des Landes" warf den USA und Südkorea vor, mit dem gemeinsamen Luftmanöver Nordkorea "komplett zerstören" zu wollen. Nordkoreas Außenministerium hatte am Samstag die US-Regierung beschuldigt, "um einen Atomkrieg zu betteln". Pjöngjang wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

Quelle: ntv.de, mmo/bad/AFP/dpa/rts