Politik

Schlagabtausch am Vortag des Votums Varoufakis wirft Geldgebern "Terror" vor

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Yanis Varoufakis beklagt, dass den Griechen Angst eingeflößt werde.

(Foto: REUTERS)

Es treten an: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble in der einen Ecke, der die Griechen in der "Bild"-Zeitung vor falschen Hoffnungen warnt. Und Yanis Varoufakis in der anderen Ecke. Der Grieche packt die verbale Keule aus.

Vor dem Reform-Referendum in Griechenland erhebt Finanzminister Yanis Varoufakis in der spanischen Zeitung "El Mundo" schwere Vorwürfe gegen die Geldgeber des Landes: "Was sie mit Griechenland machen, hat einen Namen: Terror." Er sagte: "Warum haben sie uns gezwungen, die Banken zu schließen? Um den Leuten Angst einzuflößen", sagte der Minister. "Und wenn solch ein Schrecken verbreitet wird, dann nennt man dieses Phänomen 'Terror'. Aber ich vertraue darauf, dass die Angst nicht siegen wird."

"Was Brüssel und die Troika heute wollen, ist, dass das 'Ja' gewinnt, damit sie die Griechen weiter erniedrigen können", sagte er mit Blick auf die Volksabstimmung am Sonntag. Die Griechen entscheiden dann, ob sie den harten Verhandlungskurs der linksradikalen Regierung mittragen oder die Reformvorschläge der Euro-Zone und des Internationalen Währungsfonds akzeptieren würden. In Umfragen halten sich Ja- und Nein-Befürworter ungefähr die Waage.

Varoufakis sagte zudem, eine Billion Euro würde verloren gehen, falls Griechenland pleitegehen sollte. Daher glaubt er, dass es zu einer Einigung mit den Geldgebern komme, unabhängig vom Ausgang des Referendums. Es stehe "zu viel auf dem Spiel", sowohl für Griechenland als auch für Europa. "Es geht um zu viel Geld." Dagegen hat etwa die Bundesregierung erklärt, dass eine Pleite Griechenlands die Euro-Zone nicht in den Abgrund ziehen würde.

Verhandlungen "auf einer völlig neuen Basis"

Formell liegen die alten Vorschläge der Geldgeber seit dem Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms am Dienstag nicht mehr auf dem Tisch. Auch wäre die Regierung nicht an das Ergebnis des Volksentscheids gebunden. Er gilt jedoch als wichtiges Signal. Varoufakis hatte angekündigt, bei einem Ja zurückzutreten. Bei einem Nein würde Ministerpräsident Alexis Tsipras nach Brüssel reisen und versuchen, eine Einigung zu erzielen, so Varoufakis.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dämpfte dagegen die Hoffnungen der Griechen auf rasche finanzielle Hilfen nach dem Referendum. "Wir müssen abwarten, wie die Regierung in Athen mit dem Ergebnis umgeht und welche Konsequenzen das hat. Und dann können die Griechen die Aufnahme von Verhandlungen beantragen", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Schäuble betonte, dass solche Verhandlungen "auf einer völlig neuen Basis und unter erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen" stattfinden würden. Zunächst müsse Griechenland aber einen Antrag auf Verhandlungen für ein neues Hilfsprogramm stellen. Die Finanzminister würden ihn dann prüfen, und wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien, würde die Euro-Gruppe neue Verhandlungen befürworten, so Schäuble. Die Verhandlungen dürften aber schwer werden, weil sich die Situation in Griechenland "dramatisch verschlechtert" habe.

Quelle: n-tv.de, jog/rts/DJ

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