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Umschlagplatz für Kokainhandel Venezuelas Führung im Visier von Fahndern

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Diosdado Cabello - nach Staatschef Maduro gilt er als der mächtigste Mann in Venezuela. Die Vorwürfe streitet er ab.

(Foto: REUTERS)

Ist der zweitmächtigste Mann in Venezuela zugleich der Kopf eines Drogenkartells? Davon gehen US-amerikanische Drogenfahnder aus. Staatschef Maduro ist nicht im Fadenkreuz der Ermittler - dafür aber einige andere Männer mit Rang und Namen.

Wegen großangelegten Kokainschmuggels ermitteln US-Behörden gegen hochrangige Vertreter von Regierung und Armee in Venezuela. Der Vorwurf: Sie sollen das Land in einen Umschlagplatz für den globalen Kokainhandel und für Geldwäsche verwandelt haben. Das berichtet das "Wall Street Journal".

Im Zentrum der Ermittlungen steht dem Bericht zufolge Diosdado Cabello, der Parlamentspräsident, der nach Staatschef Nicolas Maduro als der zweitmächtigste Mann in Venezuela gilt. Cabello soll bei den Kokaingeschäften die Fäden ziehen. "Es gibt umfassende Beweise, dass er einer der Köpfe, wenn nicht sogar der Kopf des Kartells ist", zitiert das "Wall Street Journal" einen Beamten des US-Justizministeriums.

Die Ermittlungen laufen offenbar bereits seit Jahren. Wie das Blatt weiter schreibt, sei Staatschef Maduro nicht im Visier der US-Justiz. Neben dem 52-jährigen Cabello stehen unter anderem noch Tarek El Aissami (Ex-Innenminister und jetziger Gouverneur des Bundesstaates Aragua), Nestor Reverol (Chef der Nationalgarde) und der Bruder des Hauptverdächtigen, Jose David Cabello (Industrieminister und Chef der Steuerbehörde) im Fokus der Ermittler.

"Ich fühle mich beleidigt"

Diosdado Cabello hatte vergangene Woche Anzeige gegen Mitarbeiter von drei venezolanischen Medien erstattet, die über die Drogen-Vorwürfe berichtet hatten. "Sie beschuldigen mich ohne jeden Beweis, ein Drogenhändler zu sein, und nun bin ich der böse Bube", wurde Cabello von Staatsmedien zitiert. "Ich fühle mich beleidigt und keiner von denen hat sich wenigstens entschuldigt."

Die spanische Zeitung "ABC" hatte bereits im Januar von Ermittlungen der US-Behörden gegen Cabello berichtet. Vorige Woche verhängte ein Gericht in Venezuela in dem Zusammenhang Ausreisesperren gegen 20 Journalisten.

In Venezuela wird der Kokain-Rohstoff Koka nicht angebaut. Laut "Wall Street Journal" ist der Drogenhandel in Venezuela in den vergangenen Jahren allerdings explodiert. Kolumbianische Drogenkartelle verlegten ihre Aktivitäten in das Nachbarland, weil in Kolumbien eine von den USA finanzierte Offensive gegen den Drogenhandel geführt wird. Nach US-Schätzungen wird fast ein Drittel der Kokain-Produktion anderer Andenstaaten durch Venezuela geschleust.

Quelle: n-tv.de, fma/AFP/dpa

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