Politik

Papst appelliert an Gemeinschaft "Was ist mit dir los, Europa?"

Mit eindringlichen Worten fordert Papst Franziskus Europa in der Flüchtlingskrise zur Menschlichkeit auf: Er träume von einem Europa, in dem "Migrantsein kein Verbrechen ist" - und in dem niemand daran denkt, Zäune zu errichten.

Papst Franziskus hat Europa angesichts der Flüchtlingskrise zu einem neuen Humanismus aufgerufen. Das Klima des Neuen und der brennende Wunsch, die Einheit aufzubauen, schienen immer mehr erloschen. "Wir Kinder dieses Traumes sind versucht, unseren Egoismen nachzugeben, indem wir auf den eigenen Nutzen schauen und daran denken, bestimmte Zäune zu errichten", kritisierte der Papst mit Blick auf die Flüchtlingskrise.

Er träume "von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist", und das die Rechte der Einzelnen fördert und schützt, ohne die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen, sagte er im Apostolischen Palast in Rom, nachdem ihm der Karlspreis verliehen worden war. "Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand." Die Zuhörer im Vatikan erhoben sich und würdigten Franziskus mit starkem Applaus.

Der Papst erinnerte die Politik zudem daran, dass sie vor der grundlegenden und nicht verschiebbaren Arbeit der Integration stehe. Dabei reiche die bloß geografische Eingliederung der Menschen nicht aus, die Herausforderung bestehe in einer starken kulturellen Integration. "Das Gesicht Europas unterscheidet sich nämlich nicht dadurch, dass es sich anderen widersetzt, sondern dass es Züge verschiedener Kulturen eingeprägt trägt und die Schönheit, die aus der Überwindung der Beziehungslosigkeit kommt."

"Was ist mit dir los, Europa?"

Auch den Bürgern redete Franzikus ins Gewissen. "Was ist mit Dir los, humanistisches Europa, Du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?", fragte er. "Was ist mit Dir los, Europa, Du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist mit Dir los, Europa, Du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?"

Der Papst erinnerte an die Gründerväter Europas und deren Ideale. "Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern", sagte er. Das Karlspreis-Direktorium hatte im Dezember bekanntgegeben, dass der Pontifex die renommierte Auszeichnung erhält. Er wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/rts

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