Politik

Abendessen mit dem einstigen Feind Was treibt Donald Trump mit Mitt Romney?

Donald Trump und Mitt Romney finden einander mit einem Mal gut: Bei der Suche nach einem Außenminister lädt der gewählte US-Präsident auch einen seiner parteiinternen Gegner ein. Es stellt sich die Frage, was das soll.

In den USA zerreißen sie sich das Maul. Da sitzt der Präsident in spe, Donald Trump, beim schicken Abendessen in einem Restaurant des New Yorker Trump International Hotels. Das Knoblauch-Süppchen ist schon ausgelöffelt, es gibt kleine Pastetchen und Wasser in Weingläsern. Sein Tischgast ist, neben dem künftigen Stabschef Reince Priebus, Mitt Romney, Inkarnation des republikanischen Parteiestablishments und ehemals einer der härtesten Kritiker des Milliardärs. Das Licht scheint von unten, Trumps Antlitz hat etwas Dämonisches. Bei Twitter reden manche gehässig von einem Pakt mit dem Teufel. Ein Journalist von Politico kommentiert das Bild so:

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Tatsächlich ist das Treffen eine Wendung, die Romney erst einmal plausibel erklären muss. Auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs, in dem Trump kaum ein Tabu gescheut hatte, war es der frühere Präsidentschaftskandidat Romney, der sich öffentlich gegen Trump wendete. Trump sei ein Schwindler und Betrüger, dessen Versprechen so wertlos seien wie ein Abschluss der Trump University, twitterte Romney Anfang März. Trump reagierte gewohnt grob: Romney laufe wie ein Pinguin, war eine der noch lustigeren Aussagen, mit denen er sich revanchierte.

Nun, da Trump auf der Suche nach einem Team fürs Weiße Haus ist, schwinden die Abneigungen zwischen den beiden ganz offensichtlich dahin. Es hat viele überrascht, dass neben Trump-Treuen wie Rudy Giuliani, dem Ex-Irak-General David Petraeus und dem Senator Bob Corker auch Romney eine Einladung zum Bewerbungsgespräch für das Amt des Außenministers bekommen hatte. Romney, als unterlegener im Vorwahlkampf 2008 und bei der Präsidentschaftswahl 2012, könnte ein solch prominenter Posten eine der letzten Möglichkeiten sein, politisch eine Rolle zu spielen.

Neue Harmonie zwischen Romney und Trump

Eine solche Karriereoption vor Augen, änderte sich der Ton des 69-Jährigen merklich: "Ich hatte einen wundervollen Abend mit dem gewählten Präsidenten", sagte er anschließend. Die Diskussionen mit Trump seien "erhellend, interessant und einnehmend" gewesen. Er habe "zunehmend Hoffnung", dass Trump "genau der Mann ist, der uns in eine bessere Zukunft führen kann". Und Trump findet mittlerweile, das gepflegte Auftreten des einstigen "Pinguins" Romney passe optisch sehr gut zur Rolle des Außenministers, wie er neulich sagte.

Was denkt sich Trump bei der Annäherung der beiden einstigen Feinde? Mehrere Interpretationsmöglichkeiten gibt es:

  • Trump könnte bei der Suche nach einem Außenminister aufgefallen sein, dass er keinen besseren finden kann. Irak-Veteran David Petraeus ist 2012 wegen einer außerehelichen Beziehung zu einer Untergebenen als CIA-Chef zurückgetreten und gilt damit als gescheitert. Aber ist das eine Kategorie, in der Trump denkt? Rudy Giuliani hat als Ex-Bürgermeister von New York kaum außenpolitisch Erfahrung. Auch Romney wird immer wieder mangelnde Expertise auf diesem Feld attestiert. Neben dem undiplomatischen und außenpolitisch unerfahrenen Präsidenten wäre Romney aber jemand, der in der Welt das Ansehen wahren könnte. Trumps Lebemann-Attitüde und Romneys mormonisches Verantwortungsbewusstsein könnten einander angenehm ausgleichen. Jedoch: Trump hat bisher nie den Anschein erweckt, als seien ihm solche Überlegungen besonders wichtig.
  • Trump könnte ein perfides Spiel spielen, um Romney die größtmögliche Demütigung zuzufügen: Hat er den Ex-Präsidentschaftskandidaten erst einmal nahe genug an sich heran gelassen und ihm lobende Worte entlockt, lässt er ihn fallen. Romney wäre blamiert. Und es wäre stellvertretend ein heftiger Schlag gegen das republikanische Parteiestablishment, das hinter und vor den Kulissen Trumps Kandidatur zu verhindern versucht hatte.
  • Trump wirft womöglich einfach Nebelkerzen: Denn dass Romney tatsächlich Außenminister halten viele für unwahrscheinlich, da sich seine Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway sehr offen gegen ihn ausgesprochen hat. Conway steht Trump sehr nahe, es finden viele unwahrscheinlich, dass sie ohne sein Wissen und gegen seine Haltung sich so klar positioniert. Auch Trumps künftiger Chefberater Steve Bannon warnte Trump, er wirke schwach, wenn er Romney ins Team hole. Und nichts wäre Trump sicherlich weniger recht, als Schwäche zu zeigen.

Doch was soll das alles dann? Das Abendessen endete laut US-Medien mit einem Stück Schokoladenkuchen für jeden. Während Romney vor der Tür ausgiebig Reportern von dem Treffen und seiner neu gewonnenen Zuneigung zu Trump berichtete, eilte der kommende Präsident der USA an den Mikrofonen vorüber. Auf die Frage, wie es war, hebt Trump nur den Daumen. So, wie er es eigentlich bei jeder Gelegenheit tut.

Quelle: n-tv.de

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