Politik

"Bohrende" Fragen eines Kindes Weißes Haus verteidigt Trump mit Fanbrief

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US-Präsident Donald Trump hört gern genau hin.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Rücktritt von Trumps Sprecher Sean Spicer fragt sich die US-Presse, was sie wohl von dessen Nachfolgerin zu erwarten hat. Jetzt ist klar: Sarah Huckabee Sanders will zwar Fragen beantworten - allerdings am liebsten jene von einem neunjährigen Jungen.

Sarah Huckabee Sanders ist die erste "Working Mom", die als Sprecherin des Weißen Hauses die Politik des US-Präsidenten erklärt. Dass sie einen etwas anderen Umgang mit Journalisten pflegen will als der glücklose Ex-Sprecher Sean Spicer, beweist ihr jüngstes Pressebriefing: Nach dem Ende des Kameraverbots wurde es erstmals wieder im Fernsehen übertragen - und Huckabee Sanders machte daraus eine butterweiche PR-Veranstaltung für den von Pannen und Politaffären gebeutelten Donald Trump. Ihr Mittel der Wahl, um den Präsidenten zu promoten: ein handgeschriebener Brief des neunjährigen Dylan.

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Huckabee Sanders - selbst Mutter von drei Kindern - ließ sich Zeit, um die Zeilen an Trump vorzutragen. "Lieber Präsident Trump", begann sie, "mein Name ist Dylan, aber alle nennen mich Pickle. Ich bin neun Jahre alt und Sie sind mein Lieblingspräsident. Ich mag Sie so sehr, dass ich meinen Geburtstag Ihnen zu Ehren gefeiert habe. Meine Geburtstagstorte hatte die Form Ihres Hutes." So weit, so zuckersüß. Huckabee Sanders erklärte, sie habe den Brief im Postfach des Weißen Hauses entdeckt - und er stehe exemplarisch für die "vergessenen Männer, Frauen und Kinder", für die Trump täglich kämpfe.

Eine Kopie des Briefes schickte sie später über den Presseverteiler. Fragen zur Zukunft von Justizminister Jeff Sessions, der bei Trump in Ungnade gefallen ist, oder zu dem Verbot für Transsexuelle, in der US-Armee zu dienen, beantwortet Huckabee Sanders ausweichend. Bei den Fragen des neunjährigen Dylan hingegen wird sie auskunftsfreudiger. Der Junge will etwa wissen, wie alt Trump ist. Die Pressesprecherin antwortet, dass der Präsident 71 Jahre alt sei. Dann liest sie die zweite Frage vor: "Wie groß ist das Weiße Haus?" Huckabee Sanders erklärt, das Gebäude sei 51 Meter lang, 21 Meter hoch und man benötige etwa 1135 Liter weiße Farbe, um es anzustreichen. Es folgen diverse weitere Fakten.

Trump spendet ans Bildungsministerium

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Als vermutlich schon einige Korrespondenten nervös auf den Stühlen herumrutschen, liest Huckabee Sanders die dritte Frage vor - und die trifft tatsächlich auch auf journalistisches Interesse. "Wie viel Geld verdienen Sie?", fragt Dylan den Präsidenten, der es nach wie vor schuldig geblieben ist, seine kompletten Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Die Sprecherin lacht kurz auf, dann antwortet sie: "Dylan, ich bin mir nicht sicher, aber ich weiß, dass es eine Menge ist." Schließlich wird es emotional. "Ich verstehe nicht, warum die Leute Sie nicht mögen", schreibt der Neunjährige. Huckabee Sanders antwortet: "Ich auch nicht, Dylan."

Die Darbietung endet mit Dylans Frage, ob er und Trump nicht "Freunde sein" könnten. "Ich bin sehr froh, dir sagen zu können, dass ich persönlich mit dem Präsidenten gesprochen habe - und er wäre mehr als glücklich darüber, dein Freund zu sein", verkündet Huckabee Sanders. Es war nicht der einzige PR-Streich. Gleich zu Beginn des Briefings hatte sie angekündigt, Trump werde sein Gehalt für das zweite Quartal - immerhin 100.000 Dollar - an das Bildungsministerium spenden. Und bevor Kritiker hätten einwenden können, dass er im Bildungsbereich Kürzungen um neun Milliarden Dollar planen soll, schickte Huckabee Sanders auch schon Bildungsministerin Betsy de Vos ans Rednerpult, die sich wortreich bei Trump für dessen "großzügiges Geschenk" bedankte.

Trump verliert immer mehr an Popularität

Weitere Minuten des Briefings nutzte Huckabee Sanders dann für ein paar mahnende Worte in eigener Sache. Sie wolle ihr "Bestes tun", um die Fragen der Journalisten wahrheitsgemäß zu beantworten - und gleichzeitig die Botschaft des Präsidenten zu überliefern. "Aber ich möchte auch meiner Tochter - und jedem Kind in Amerika - eine Botschaft senden: Hört nicht auf eure Kritiker, denkt im großen Maßstab, und nutzt euer Potenzial - denn in diesem Land habt ihr noch immer die Möglichkeit dazu."

Nach 23 Minuten verschwand Huckabee Sanders schließlich mit den Worten "Leute, ich hasse es, das Gespräch zu unterbrechen, aber ... ". Keine Zeit für weitere kritische Fragen. Ob die Charme-Offensive bei den Amerikanern angekommen ist? Trump kann es nur hoffen. Denn gut die Hälfte der Wähler ist alles andere als zufrieden mit seiner Amtsführung. Einer aktuellen Erhebung des Gallup-Instituts zufolge denken nur noch 39 Prozent der US-Bürger, dass Trump als Präsident einen guten Job macht. Und um verlorene Wähler zurückzuholen, wird wohl mehr nötig sein als der Brief eines Neunjährigen.   

Quelle: n-tv.de, jug

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