Politik

Merkels Nachfolge Wie sich Schäuble mit Merz absprach

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Alte Freunde: Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie sehr zieht Schäuble bei der Merkel-Nachfolge im Hintergrund die Strippen? Offenbar schmiedete er schon vor einigen Jahren Pläne, um die Frau im Kanzleramt abzulösen. So sagt es nun zumindest CDU-Kandidat Merz.

Ein bisschen ist es wie in einer alten Ehe: Wolfgang Schäuble und Angela Merkel verbindet eine lange Geschichte mit vielen Aufs und Abs. Allen Schwierigkeiten zum Trotz rauften sie sich allerdings immer wieder zusammen, nach außen hin blieb Schäuble loyal zur Kanzlerin. Doch war er es auch wirklich? Offenbar erwog er vor einigen Jahren, die Nachfolge von Merkel anzutreten. Dies sagt zumindest Friedrich Merz, einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den CDU-Vorsitz, in der WDR-Dokumentation "Der Machtkampf - wer folgt auf Merkel?", die am Abend ausgestrahlt wird.

Wegen Griechenland und der Flüchtlingskrise kam es in den Jahren 2015 und 2016 demnach immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem damaligen Finanzminister Schäuble und Merkel. Laut Merz tauschten er und Schäuble sich in der Zeit intensiv aus. "Wir haben häufig darüber gesprochen, wie die Lage in Berlin ist, auch vor zwei, drei Jahren bereits, als es schon einmal eine solche Serie von Landtagswahlen gab, die wir verloren haben. Wir teilen beide die sehr große Besorgnis über das Erstarken der AfD. Wir sind beide der Meinung, dass das in diesem Umfang nicht notwendig war, dass man das hätte verhindern können."

Doch nicht nur das. Offenbar gab es auch noch ein Thema: ein möglicher Wechsel Schäubles ins Bundeskanzleramt. "Wir haben uns natürlich auch hin und wieder über die Frage unterhalten. Es stand ja die Frage im Raum, ob er möglicherweise die Kanzlerschaft noch einmal übernimmt oder nicht", sagt Merz, den mit Schäuble eine lange Freundschaft verbindet und der von ihm einst zum Fraktionschef auserkoren worden war. "Er hat mir dann gesagt: 'Wenn das dann jemals dazu kommen könnte, muss ich mich auch auf dich verlassen können'." Dazu sei es dann allerdings nicht gekommen.

Schäuble selbst war von Merkel wiederholt düpiert worden. So war sie es gewesen, die als damalige Generalsekretärin beim Spendenskandal der CDU vorpreschte und in einem offenen Brief in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine Erneuerung der Partei forderte - eine Aufgabe, die eigentlich ihm als Parteichef zugestanden hätte. Besonders verletzend: Schäuble erfuhr erst aus der Zeitung von dem Brief. Wenig später musste er selbst seinen Posten räumen, Merkel folgte ihm als CDU-Chefin. 2004 zerstörte sie seine Ambitionen, Bundespräsident zu werden, indem sie sich mit der FDP zusammentat und IWF-Chef Horst Köhler für den Posten favorisierte.

Schäuble: "loyal" gegenüber demokratischem Auftrag

War das also alles Grund genug für Schäuble, nach Jahren aus der Deckung zu kommen? Schäuble selbst, so zeigt es die Dokumentation, betonte 2015, dass er "loyal" gegenüber seinem demokratischen Auftrag sei. Dazu gehöre auch, dass man ein Amt nicht dazu benutze, um gegen denjenigen zu arbeiten, der einen in das Amt berufen habe.

Wie weit er auch nach der Wahl 2017 loyal zur Kanzlerin blieb, als er Bundestagspräsident wurde und damit nicht mehr der Kabinettsdisziplin unterlag, ist umstritten. Allerdings drängte es ihn wohl nicht mehr selbst in die erste Reihe. Kurz vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen in diesem Herbst äußerte er sich in diversen Interviews skeptisch zur Zukunft Merkels: "Sie ist nicht mehr so unbestritten, wie sie über drei Legislaturperioden oder über zweieinhalb Legislaturperioden gewesen ist", sagte er dem SWR. Einen Rückzug auf dem Parteitag in Hamburg schloss er nicht aus. Und der italienischen Zeitung "Repubblica" sagte er, "in menschlichen Systemen" habe alles seine Zeit. "Irgendwann treten dann gewisse Ermüdungserscheinungen auf."

Die Ermüdungserscheinungen traten dann bei den dramatischen Stimmverlusten von CDU und CSU in Bayern und Hessen offen zutage. Laut dem "Spiegel" drängte Schäuble im Vorfeld Merz dazu, sich spätestens bis zum Nachmittag der Hessenwahl darüber klar zu werden, ob er für den Chefposten in der CDU kandidieren wolle. In der Dokumentation sagt Merz zu seiner Kandidatur: "Ich habe ihn natürlich auch um Rat gefragt, was ich in dieser Situation jetzt tun soll, in der wir jetzt sind. Und er hat mir nicht abgeraten." Schäuble selbst wollte sich nicht in dem Film äußern.

Am Tag der Hessenwahl erschien in der "Welt am Sonntag" auch ein Artikel von Schäuble über Max von Baden, der vor 100 Jahren das Ende der Monarchie verkündete: "Sein Zögern", so schreibt Schäuble, "erhöhte den Druck, der zu den revolutionären Ereignissen des 9. November führte". So mancher verstand dies als subtile Botschaft an die Kanzlerin. Schon am folgenden Tag verkündete diese, nicht noch einmal als CDU-Chefin anzutreten. Merz ergriff sofort die Chance, wie es ihm sein alter Freund geraten hatte.

Quelle: n-tv.de

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