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Die Bank Asya gehörte früher zur Gülen-Bewegung und wurde 2015 unter Zwangsverwaltung gestellt.
Die Bank Asya gehörte früher zur Gülen-Bewegung und wurde 2015 unter Zwangsverwaltung gestellt.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 12. Mai 2017

Razzien gehen weiter: Zeitungs-Chef in Türkei festgesetzt

Sicherheitskräfte in der Türkei nehmen den Onlinechef der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" fest. In Istanbul und anderen Städten kommt es zu Razzien. Mehr als hundert Haftbefehle werden ausgestellt.

Die Medien in der Türkei müssen eine weitere Festnahme verkraften: Laut der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" wurde ihr Onlinechef Oguz Güven von Polizisten abgeführt. Die Regierung hat nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei bereits mehrfach Journalisten inhaftiert - auch Mitarbeiter der "Cumhuiyet". So wurde der frühere Chefredakteur Can Dündar im vergangenen Jahr zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt - Dündar lebt und arbeitet zurzeit aber in Deutschland und legte gegen das Urteil Revision ein.

Die Zeitung zählt zu den Kritikern des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ihr wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, unter der Kontrolle des Predigers Fethullah Gülen zu stehen, der für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird.

57 Festnahmen bei Razzia

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch läuft zudem ein Einsatz gegen die Börse in Istanbul. Dabei sind bislang 57 Menschen festgenommen worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, fanden die Festnahmen am frühen Morgen in sechs verschiedenen Provinzen statt. Insgesamt wurden demnach mehr als hundert Haftbefehle ausgestellt, die Razzien dauern an.

Den Verdächtigen wird Anadolu zufolge vorgeworfen, in den vereitelten Putsch im Juli verwickelt gewesen zu sein. Die Regierung in Ankara geht seitdem mit massenhaften Festnahmen gegen vermeintliche Gegner und mutmaßliche Unterstützer der Revolte vor. Die Türkei vermutet, dass der in den USA im Exil lebende Prediger Fethullah Gülen hinter dem Putschversuch steckt, was dieser jedoch bestreitet.

Seit Juli Zehntausende inhaftiert

Wie die Zeitung "Habertürk" auf ihrer Internetseite berichtet, richteten sich die Razzien gegen frühere Mitarbeiter der Istanbuler Börse. Ihnen wird demnach vorgeworfen, den verschlüsselten Kurzmitteilungsdienst ByLock genutzt zu haben, der laut der Regierung eigens für die Gülen-Anhänger entwickelt wurde. Sie sollen zudem Transaktionen für die Bank Asya ausgeführt haben, die einst zur Gülen-Bewegung gehörte und 2015 von der Regierung unter Zwangsverwaltung gestellt worden war.

Seit dem Putschversuch im Juli wurden in der Türkei bereits Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Erst Ende April hatte die islamisch-konservative Regierung fast 4000 weitere Staatsbedienstete entlassen. Auch die Polizei entließ mehr als 9100 Beamte, weil sie Verbindungen zum Gülen-Netzwerk haben sollen.

Quelle: n-tv.de