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Hollande will nicht mehr Der Präsident von der traurigen Gestalt

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Francois Hollande tritt im nächsten Jahr ab.

(Foto: REUTERS)

Francois Hollande hatte keine Chance auf eine zweite Amtszeit als französischer Präsident. Der 62-jährige Sozialist reagiert nun auf seine schlechten Umfragewerte. Damit zeigt sich Hollande endlich einmal konsequent.

Es hätte einfach keinen Sinn gehabt, wenn Francois Hollande noch einmal angetreten wäre. Die Umfragewerte des Sozialisten sind unterirdisch - um die zehn Prozent hätte er nach jetzigem Stand bei der Präsidentenwahl erreicht. Damit wäre er gegen den Konservativen Francois Fillon und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National chancenlos geblieben. Ein triftiger Grund für den Noch-Staatschef, die Reißleine zu ziehen und die Nachricht zu verkünden, die die meisten Franzosen erfreuen wird: Er verzichtet auf eine Wiederkandidatur. Damit hatte der 62-Jährige wenigstens noch einmal einen ordentlichen Fernsehauftritt.

Hollande ist der erste Präsident der V. Republik, der auf eine zweite Amtszeit verzichtet. Der Gaullist Georges Pompidou konnte 1974 nicht mehr kandidieren, denn er verstarb im Amt.

Mit Vorschusslorbeeren war Hollande, der wegen persönlicher Verfehlungen eines Dominique Strauss-Kahn als Notlösung einsprang, in den Pariser Elysée-Palast gezogen. Er hatte den Franzosen, die mehrheitlich vom sprunghaften Nicolas Sarkozy die Nase voll hatten, auch einiges versprochen. Zu viel, wie sich bereits in den ersten Monaten seiner Amtszeit herausstellte. So verlangte Hollande im Wahlkampf vor allem eine stärkere Umverteilungspolitik und mehr soziale Gerechtigkeit. Zudem forderte er eine Neuverhandlung des europäischen Fiskalpakts und dessen Ergänzung um einen "Wachstumspakt". Von Sparen und Arbeitsmarktreform war keine Rede.

Reförmchen statt Reformen

Aber es war die falsche Zeit für soziale Wohltaten. Denn ein massiver Reformstau harrte seiner Auflösung. Frankreich war unter Hollande nicht in der Lage, innerhalb der Europäischen Union und der Eurozone eine Lokomotive zu sein. Im Gegenteil: Gegen das wirtschaftlich starke Deutschland mit seiner Kanzlerin Angela Merkel wirkte der Präsident klein - viel zu klein für das stolze Land zwischen Ärmelkanal und Pyrenäen.

Das Präsidentenamt war für den Zauderer, der seine renitente Partei in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise zusammenhalten musste, eine Nummer zu groß. Aus lauthals angekündigten arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Reformen wurden bestenfalls Reförmchen. Sein Premierminister Manuel Valls, der kürzlich Hollandes Verzicht auf eine zweite Amtszeit forderte, sowie sein ehemaliger Finanz- und Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der als Parteiloser für den Elysée kandidiert, können ein Lied davon singen, wurden ihre Reformvorschläge doch immer wieder bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Hollandes Amtszeit war eine sehr schwierige. Neben der ökonomischen Krise wurde Frankreich auch von Terroranschlägen heimgesucht. Der Präsident machte in diesen bewegten Tagen im Januar und im November 2015 keine schlechte Figur, seine Umfragewerte stiegen sogar. Allerdings ist Hollande nicht der Politiker, der eine Nation in schwierigen Zeiten hinter sich versammeln kann. Er kommt mehr als Verwalter denn als Macher rüber. Ihm fehlt schlichtweg das Charisma für das mächtigste politische Amt Frankreichs.

Francois Hollande wird als der bislang unbeliebteste Staatschef in die Geschichte der V. Republik eingehen. Er bleibt seinen Franzosen auch als Präsident von der traurigen Gestalt in Erinnerung.

Quelle: n-tv.de

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