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Luckes Truppe wird wohl bleiben Für die CDU ist der Erfolg der AfD kein Drama

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Da muss sich sogar Bernd Lucke an den Kopf fassen: Seine AfD ist zweistellig.

(Foto: REUTERS)

Unterm Strich halten die Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg eine sehr beruhigende Botschaft für die CDU bereit: Trotz des großen Erfolges der AfD kann auch die CDU zulegen. Wenn Seehofer Recht hat, dann erwächst der Union zwar ein Konkurrent, aber auch ein potenzieller Partner.

Ein Paukenschlag ist es nicht mehr, aber dennoch bemerkenswert: Bei drei Landtagswahlen hat die AfD den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft, in Thüringen und Brandenburg ist sie sogar zweistellig und hat damit das sehr gute sächsische Ergebnis noch übertroffen. CSU-Chef Horst Seehofer hat es schon vor der Wahl gewusst: Die AfD werde nicht so schnell verschwinden wie die Piraten. Aber es ist so eine Sache mit Prognosen: Sie sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.

Vorläufig ist der Kurs der Christdemokraten in Sachen AfD daher gewissermaßen alternativlos: keine zu große Nähe zur AfD, erst recht keine Koalitionen. Denn einerseits würde man die neue Partei so unnötig aufwerten. Andererseits, und dieses Argument wiegt schwerer: Niemand kann vorhersagen, wie sich die AfD entwickelt. Vieles spricht dafür, dass sie sich als konservative Partei rechts von der CDU etabliert. Möglicherweise gelingt ihr dies, indem sie sich weiterhin als Protestpartei inszeniert - als Partei für die Ängstlichen und Unzufriedenen, denen die Gesellschaft schon lange viel zu unübersichtlich ist.

Wer einmal einen AfD-Parteitag besucht hat, der weiß: Für eine so junge und eine so sehr auf Protest ausgerichtete Partei ist die AfD erstaunlich diszipliniert. Dennoch ist denkbar, dass Seehofer nicht Recht behält. Denn die AfD hat ein beachtliches Potenzial an Querulanten, Besserwissern und Rechthabern - es könnte groß genug werden, um die Partei zu sprengen oder (noch) weiter nach rechts zu drücken.

Daher ist es richtig, wenn die CDU ihre Distanz zur AfD beibehält, zumindest noch ein bisschen. Zudem zeigen die Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen, dass CDU und AfD gleichzeitig zulegen können. Das Gerede von der Sozialdemokratisierung der CDU, die konservative Wähler in Scharen der AfD in die Arme treibe, ist Unfug: Rückte die CDU nach rechts, um die AfD zu bekämpfen, verlöre sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Wähler, als sie dazugewänne.

Die AfD mag für die Union das sein, was die Linkspartei für die SPD ist. Aber die AfD hat keine Stasi-Vergangenheit. Die Phase, in der die Union ihre kleine Konkurrenz ignorieren muss, kann deutlich kürzer sein als es bei SPD und PDS beziehungsweise Linkspartei der Fall war. Die einzige Frage, die die CDU beantworten muss, lautet: Ist die AfD regierungsfähig? Im Moment ist sie das sicherlich nicht. In wenigen Jahren jedoch könnte sich die Union in der komfortablen Situation wiederfinden, sehr viele potenzielle Koalitionspartner zu haben: SPD, Grüne und AfD. Seehofer könnte dann sagen: Ich hab's gewusst.

Quelle: n-tv.de