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Kurz vor dem Ziel gescheitert Hillary Clinton ist selbst schuld

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Hillary Clinton, von 1993 bis 2001 First Lady der Vereinigten Staaten, ist seit vier Jahrzehnten in der Politik aktiv.

(Foto: REUTERS)

Die US-Amerikaner hatten die Wahl zwischen Wahnsinn und "Weiter so". Und sie haben sich für den Wahnsinn entschieden.

Als die US-Amerikaner vor acht Jahren mit Obama erstmals einen Schwarzen zu ihrem Präsidenten machten, wurde dies als Signal der Hoffnung und des Aufbruchs verstanden. Vielleicht war der Rassismus nicht vollständig überwunden, dachte man, aber es war doch ein Zeichen, wie weit die USA gekommen waren.

Jetzt hatten die Amerikaner die Gelegenheit, sich für eine Präsidentin zu entscheiden. Fast 100 Jahre nach der Ausweitung des Wahlrechts auf die Frauen in den USA wäre auch dies ein kleiner historischer Schritt gewesen. Er blieb aus.

Dies liegt vor allem daran, dass von einem Aufbruch im Wahlkampf der Demokraten nicht viel zu spüren war, jedenfalls nicht mehr, seit Bernie Sanders der Clinton-Maschinerie unterlag. Das vorherrschende Gefühl war nicht Hoffnung, sondern Wut. Auf die politischen Parteien in Washington, die sich gegenseitig blockieren. Auf die Banken, die noch immer erheblichen Einfluss auf Politiker wie Clinton auszuüben versuchen. Auch auf Einwanderer, die von vielen US-Amerikanern als Gefahr gesehen werden. Vor allem aber Wut über die Missachtung einer zumindest gefühlten Wahrheit breiter Bevölkerungsschichten: Dass der soziale Abstieg näher rückt, dass der amerikanische Traum, nachdem jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, jeder, der sich anstrengt, es zu etwas Wohlstand bringen kann, ausgeträumt ist.

Von dieser Stimmung hat Donald Trump profitiert, ja, er hat sie angeheizt. Sein Wahlergebnis zeigt, dass - auch wenn der Mann dahinter abstößt - seine Botschaft ankam und von vielen Amerikanern geteilt wird. Das war denn wohl auch der zentrale Grund für Clintons Niederlage.

Die unterlegene Kandidatin hat durchaus Anhänger, die sie wirklich mögen. Aber die meisten Amerikaner können sie schlicht und einfach nicht leiden, mag noch so oft betont werden, wie professionell sie ist, wie viel Erfahrung sie hat. Kaum ein Präsidentschaftskandidat war jemals so unbeliebt wie Hillary Clinton. Nur ein anderer noch: Donald Trump. Selbst Demokraten sahen Clinton als Verkörperung all dessen, was schiefläuft im Establishment. Unnahbar, abgehoben, korrupt. Dieses Gefühl wurde durch die Wikileaks-Enthüllungen, die sie mit um den Wahlsieg gebracht haben, noch verstärkt. Clinton erschien dem Bürgertum und den urbanen Wählern lediglich als das kleinere Übel – und das war nicht genug.

Häufig ist im Wahlkampf darauf hingewiesen worden, dass eine große Mehrheit der US-Amerikaner unzufrieden mit der Richtung ist, in die sich das Land bewegt. Clinton hat nicht versucht - jedenfalls zu zaghaft, zu leidenschaftslos -, diese Stimmung aufzugreifen. Trumps diffuse Äußerungen zu Einwanderung, Terrorismus oder Sozialreformen mögen bei der einen Hälfte der Wähler für Entsetzen gesorgt haben, für die andere Hälfte zahlten sie ein auf seinen Wahl-Slogan "Make America Great Again". Dem hatte Clinton nichts entgegenzusetzen. Sie hat nicht vermitteln können, wie sie das Land verändern will, was sie anders, was sie besser machen will. Damit war es ihr unmöglich, auch nur den Hauch von Begeisterung auszulösen. Und so konnten sich die Wähler nicht zwischen zwei unterschiedlichen Formen des Wandels entscheiden, sondern nur zwischen Wahnsinn und "Weiter so".

Quelle: ntv.de