Politik

Die große Verschwörung Vier Wörter, die Trump ständig wiederholt

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Dramatischer Auftritt beim Parteitag in Cleveland: Trump kündigte seine Frau Melania an.

(Foto: dpa)

Betreibt Präsident Obama die Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft, ist er ein Muslim, hasst er die USA? So direkt würde Präsidentschaftskandidat Donald Trump das nie sagen.

Anfang Dezember war es wieder so weit. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump stand mit einer weiteren radikalen Forderung im Rampenlicht. Bei einer Kundgebung in South Carolina verlas er die Presseerklärung, die sein Wahlkampfteam zuvor verschickt hatte: "Donald J. Trump fordert ein totales und vollständiges Einreiseverbot für Muslime in die Vereinigten Staaten, bis die Vertreter unseres Landes herausfinden, was zu Hölle eigentlich los ist."

Der "Muslim ban", also die Sperre für Muslime, ist neben der "wunderschönen Mauer", die Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will, eines seiner zentralen Themen im Wahlkampf. Als er das Einreiseverbot forderte, standen die Wörter "total und vollständig" im Mittelpunkt der Berichterstattung, aber eigentlich war es der letzte Teil des Satzes, der typisch für Trump ist: "what the hell is going on", was ist eigentlich los?

Meist formuliert er diesen Satz nicht als Frage, sondern als Aussage: "There's something going on", was man vielleicht am besten mit "irgendetwas stimmt da nicht" übersetzen könnte. Auch am Montag, am ersten Tag des republikanischen Parteitags, auf dem Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten nominiert werden soll, benutzte er diese vier Wörter. (Ein Artikel dazu erschien vor ein paar Tagen im Wonkblog der "Washington Post".) Nicht auf dem Parteitag, sondern in einem Telefonat mit der Sendung "Fox & Friends", in der es um die drei Polizisten ging, die in Baton Rouge von einem Afro-Amerikaner getötet worden waren. Trump warf US-Präsident Barack Obama vor, das Verhältnis von Schwarzen und Weißen verschlechtert zu haben. Es gebe eine "gewaltige Spaltung in diesem Land".

"Ich schaue mir den Präsidenten an, und manchmal sind die Wörter in Ordnung, aber man muss sich die Körpersprache ansehen – irgendetwas stimmt da nicht", sagte Trump, und weil er sich gerne wiederholt, sagte er es gleich noch einmal: "Schauen Sie, irgendetwas stimmt da nicht. Und die Wörter sind nicht oft in Ordnung, nebenbei bemerkt." (Trump wiederholt sich nicht nur gern, er widerspricht sich auch häufig.) Auf die Frage eines der Moderatoren, was es bedeute, dass etwas nicht stimme, ging Trump nicht ein.

Politik mit der Hundepfeife

Trump-Kritiker weisen darauf hin, dass Trump nicht nur mit Halbwahrheiten und Falschaussagen arbeitet, sondern auch mit Andeutungen und versteckten Signalen, die von den Teilen des Publikums, für die sie gedacht sind, verstanden werden, ohne andere zu verschrecken. "Dog-whistle politics" heißt das in den USA, Hundepfeifenpolitik. Ein Beispiel ist etwa die Verwendung des Wahlkampfslogans "America First", den man harmlos finden kann, von dem Eingeweihte aber wissen, dass er in den 1940er Jahren von einer antisemitischen Organisation verwendet wurde. Gleiches gilt für seinen Retweet eines Zitats des italienischen Faschisten Benito Mussolini. Oder für seine anfängliche Weigerung, sich von dem ehemaligen Anführer des Ku Klux Klan, David Duke, zu distanzieren. All das führe dazu, "dass die Grenzen zwischen Trump und weißen Suprematisten im Flachland der sozialen Medien verschwimmen", wie ein Journalist der "New York Times" kürzlich schrieb.

Das zentrale Vehikel seiner Hundepfeifenpolitik sind die besagten vier Wörter. Er benutzte sie auch, nachdem in einem Nachtclub in Orlando 49 Menschen ermordet worden waren. "Schauen Sie, wir werden von einem Mann geführt, der entweder nicht hart ist oder nicht klug oder der etwas anderes im Sinn hat", sagte er, ebenfalls bei "Fox & Friends". Über dieses Andere, das Obama im Sinn habe, sagte er: "Irgendetwas stimmt da nicht. Es ist unvorstellbar. Irgendetwas stimmt da nicht."

Der Vorteil ist, dass Trump die Verschwörungstheorien nicht mehr artikulieren muss, weil jeder, der sie kennt, ohnehin Bescheid weiß. An der Verbreitung von einigen war Trump höchstpersönlich beteiligt – er war der bekannteste Vertreter der "Birther"-Bewegung, die forderte, dass Obama beweist, dass er auf Hawaii zur Welt gekommen ist (wäre er im Ausland geboren worden, hätte er nicht Präsident werden dürfen). Eng damit verbunden ist die Unterstellung, Obama sei eigentlich Muslim und hasse die USA. Der Republikaner Newt Gingrich, der eng mit Trump verbündet ist, nannte Obama "den ersten anti-amerikanischen Präsidenten". 43 Prozent der Republikaner glauben, dass Obama Muslim ist.

"Sehr dunkle Ansichten"

Trumps Positionen hätten sich mit der Zeit unglaublich verändert, sagt der Politologe Joseph Uscinski, aber eine Sache sei gleich geblieben: Trumps Neigung zu Verschwörungstheorien. Damit spreche er Menschen an, "die sehr dunkle Ansichten haben". Gleichzeitig kann er nicht der Lüge überführt oder der Hetze bezichtigt werden – er hat ja eigentlich gar nichts gesagt. Für die Medien in den USA ist das eine schwierige Situation, wie der CNN-Journalist Jonathan Mann im Interview mit n-tv.de sagte: "Erstens sagt er (Trump) wilde Sachen, auf die man ihn kaum festnageln kann. Und zweitens ist es seinen Anhängern egal, wenn wir es doch schaffen."

Trumps Anruf bei "Fox & Friends" war, nebenbei bemerkt, ein Bruch mit politischen Gepflogenheiten. Normalerweise tritt der Präsidentschaftskandidat erst auf dem letzten Tag des Parteitags auf, als Höhepunkt der Show. Doch Trump steht am liebsten selbst im Mittelpunkt. In einer dramatischen Inszenierung kam er auf die Bühne, um die Rede seiner Frau anzukündigen (die zum Teil von der jetzigen First Lady Michelle Obama abgekupfert war, aber das nur nebenbei).

Und während Trump mit Fox News telefonierte, sprach in der Parteitagshalle in Cleveland gerade Pat Smith, deren Sohn Sean Smith im September 2012 beim Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi ums Leben gekommen war. Pat Smith gab der designierten demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton – die in der nächsten Woche auf dem Parteitag der Demokraten offiziell nominiert werden soll – die unmittelbare Schuld. "Ich beschuldige Hillary Clinton persönlich für den Tod meines Sohnes", sagte sie. "Sie sollte Gefängniskleidung tragen."

Quelle: ntv.de