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Krieg in Israel und Gaza Hört auf.

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Es ist Zeit, aufzuhören.

(Foto: dpa)

Im eskalierten Konflikt mit der Hamas sind die gemäßigten Stimmen Israels verstummt. Für sie ist das Ende aller Diskussionen erreicht. Vielleicht bietet diese Verzweiflung aber die Chance, endlich die Waffen niederzulegen.

"Die politische Rechte in Israel hat gesiegt", stellt der israelische Schriftsteller und Friedensaktivist David Grossmann in einem Essay in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" fest. Sie habe der Mehrheit der Israelis erfolgreich beigebracht, dass Frieden mit den Palästinensern unmöglich sei. Jeder, der etwas anderes glaube, sei nun im besten Fall ein Träumer, im schlechtesten ein Verräter, der Israels Durchhaltevermögen schwäche.

Der unermüdliche Kämpfer für Frieden hat ja recht: Die starken Stimmen schweigen, die streitbaren Köpfe winken ab. Es gebe nichts Neues zu diesem Konflikt zu sagen, außer dem Offensichtlichen, sagen sie. Und wozu das Offensichtliche wiederholen? Auch dieser Krieg ist sinnlos. Zwei Völker sind in einem Teufelskreis gefangen, in einer schrecklichen Choreografie, in der jeder die Schritte des anderen kennt und seinen Einsatz niemals verpasst. Drei Teenager werden verschleppt und getötet, Tausende Häuser durchsucht. Ein vierter Teenager kommt bei einem Rachemord ums Leben. Bomben auf Gaza, Raketen auf Israel. Schritt für Schritt, alles erprobt, nur die Opferzahlen steigen in jeder Runde.

Und in den Medien? Den sozialen Netzwerken? Auf den Straßen? Die immer gleichen Argumente, Beschuldigungen und Rechtfertigungen. Terrorismus, Recht auf Selbstverteidigung, asymmetrischer Krieg, menschliche Schutzschilder, Schutz der Zivilbevölkerung, fanatische Islamisten hier, arrogante Besatzungsmacht dort. Opfer der Geschichte, beide.

Dennoch täuscht sich David Grossmann. Ja, die gemäßigten Stimmen, die Friedensträumer sind verzweifelt. Doch sie haben sich nicht von gezielt verdummenden Medien, von Zerstreuung und Selbstbetäubung einlullen lassen. Im Gegenteil. Sie haben klar und deutlich erkannt, dass ihre Argumente nicht mehr gehört werden.

Wenn aber alles gesagt ist, bleibt nur noch einzusehen, dass keiner diesen Krieg gewinnen, niemand recht behalten kann. Diese führenden Köpfe, die David Grossmann so vermisst, sollten die Kraft in sich suchen, sich denjenigen anzuschließen, die noch sagen können: Hört auf. Die Welt kann ihnen helfen. Wenn die Außenminister Deutschlands, der USA, Großbritanniens und Frankreich sich in Wien und die Arabische Liga sich in Kairo treffen, sollten sie keine Zeit mit der Suche nach Ursache und Wirkung verschwenden, sondern die Hände auf die Waffen legen. Die Medien sollten appellieren, statt zu analysieren. Und jeder, der sich für diesen Konflikt interessiert, könnte aufhören, auf Demonstrationen, in Kommentaren, Leserbriefen, Posts und Tweets mit Schuldzuweisungen Öl ins Feuer zu gießen. In der entstehenden Ruhe können wir vielleicht die leisen Stimmen der Vernunft wieder hören.

Quelle: ntv.de