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Was wird aus Friedrich Merz? Fluch und Segen der CDU

Für einen großen Teil der CDU bleibt Friedrich Merz auch nach dem Hamburger Parteitag ein Hoffnungsträger. Dass seine Anhänger nun versuchen, ihn zum Minister unter Kanzlerin Merkel zu machen, ist allerdings gefährlich.

Nicht die gesamte CDU war elektrisiert, als sich rumsprach, dass Friedrich Merz Parteichef werden wollte. Ein großer Teil allerdings schon. Neben notorischen Merkel-Kritikern wollten auch solide Wirtschaftspolitiker und ganz normale CDU-Mitglieder mit Merz an Tage anknüpfen, als die Union noch nicht mit den Sozialdemokraten koalieren musste.

Merz war trotzdem nicht nur ein Kandidat der Verheißung, er war von Anfang an auch ein Risiko. Er sei oft gefragt worden, wie es mit ihm als Parteivorsitzendem und Angela Merkel als Bundeskanzlerin gut gehen könnte, sagte Merz auf dem CDU-Parteitag in Hamburg. "Dazu will ich ein ganz klares und eindeutiges Wort sagen: Natürlich geht das gut. Denn wir alle haben nicht nur großen Respekt vor der persönlichen Leistung von Angela Merkel, wir haben genauso Respekt vor Staatsämtern. Für uns gilt: immer das Land vor der Partei und immer die Partei vor jedem Einzelnen von uns. Daran wird sich jeder halten, auch ein Vorsitzender Friedrich Merz."

Diese Zusicherung hatte Merz schon auf den Regionalkonferenzen gegeben und es kann gut sein, dass er sie absolut ernst meinte. Dennoch war er der Kandidat des radikalen Bruchs. Jens Spahn hatte Merkel zwar kritisiert, sich aber gleichzeitig auch mit ihr arrangiert. Merz dagegen hat die Politik verlassen, statt seinen Konflikt mit Merkel auszutragen. Es ist kaum ein Zufall, dass er sein Comeback zu einem Zeitpunkt versuchte, als die Frau, die ihm dereinst den Fraktionsvorsitz genommen hatte, ihren ersten Schritt in den Ruhestand unternahm. Seine enthusiastischsten Anhänger hatte Merz folgerichtig unter jenen in der CDU, die Merkel nicht nur als Parteivorsitzende gehen lassen wollten.

Damit ist Friedrich Merz Fluch und Segen zugleich für seine Partei. Er ist ein Segen, weil er die Erinnerung an eine Wirtschaftspolitik weckt, die sich mehr an Prinzipien als an Stimmungen orientiert. Und weil er damit ein Stück Übersichtlichkeit in eine Parteienlandschaft bringt, die recht diffus geworden ist. Ein Fluch ist er, weil Merz - wofür er nichts kann - in den Jahren seiner politischen Abstinenz zum Mythos geworden ist, zur Projektionsfläche der Unzufriedenen. Jetzt trägt er - vielleicht, ohne dies zu wollen - Unruhe in eine Partei hinein, die gerade eine neue Linie sucht. Wer nun fordert, Merkel müsse Merz in ihr Kabinett holen, baut keine Brücken, sondern facht den Kampf der Flügel an.

Ob Merz in einem späteren Kabinett, das vielleicht von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer geführt wird, eine Rolle spielen kann, ist eine ganz andere Frage. Man tritt Merz wohl nicht zu nahe, wenn man ihm unterstellt, dass er machtbewusst genug ist, um sich auch im Vergleich zu AKK für den besseren Kanzler zu halten. Und doch wäre diese Konstellation eine grundlegend andere. Auch Kramp-Karrenbauer will einen Neuanfang für die CDU; sie könnte Merz die Spielräume geben, die er beispielsweise als Wirtschaftsminister bräuchte. Für das Merkel-Kabinett wäre ein Minister Merz vermutlich der Anfang vom Ende. Ob er für die CDU unter Kramp-Karrenbauer zum Segen wird, hängt davon ab, ob die beiden einander vertrauen können: Er ihr. Und sie ihm.

Quelle: n-tv.de

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