Österreich-Newsletter

Deutsche klagen gegen Ischgl Kurz übt die Wiederauferstehung

NEU-Header-LOGO2.jpg

Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei n-tv.de!

Um gleich eine wichtige Sache klarzustellen: Nach derzeitigen Erkenntnissen kann Sebastian Kurz nicht über Wasser gehen. Auch, wenn es von Deutschland aus gesehen manchmal den Eindruck macht, besonders, wenn man die "Bild" liest. "Sowas wollen wir auch" schrieb das Blatt über die ersten zarten Lockerungen des Corona-Shutdowns, und: "Die Ösis machen's uns vor".

Warum bei einem genaueren Blick nicht jeder ein Messias ist, der von "Wiederauferstehung" redet (ja, das hat Kurz getan!), darum geht es in der aktuellen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Ein Österreicher koordiniert für tausende Deutsche eine Sammelklage in der Causa Ischgl.

ö-anf.neu.5.jpg

Eierpecken: Ostertradition, bei der man gekochte Eier gegeneinander schlägt

Wir wissen dieser Tage wieder einmal, dass wir nichts wissen, vor allem nichts Genaues, und schon gar nicht über dieses Virus, das uns jetzt auch noch Ostern versaut. "Bitte treffen Sie niemanden", bat Kanzler Sebastian Kurz gestern ausdrücklich, was immerhin eine klare Ansage war, anders als der jetzt schon legendäre "Ostererlass", den das Gesundheitsministerium am Montag eiligst begraben musste.

Der Erlass regelte, dass sich in einer Wohnung nicht mehr als fünf haushaltsfremde Personen aufhalten dürfen. Und ganz Österreich fragte sich: Wir dürfen Besuch empfangen? Also auch an Ostern? Nein, natürlich nicht, Erlass gestrichen, gemeinsames Eierpecken auch, das geht zur Not ja auch allein.

Ab Dienstag begibt sich das Land dann auf den Weg Richtung "Auferstehung", wie Sebastian Kurz es einmal genannt hat, bevor er entschuldigend ein Ave Marie vor sich hinmurmelte und forthin lieber zum Begriff "Comeback" griff. Den Anfang macht der Handel, was niemanden wundert, der Kurz' bisherige Amtszeiten verfolgt hat. Die Wirtschaft hat im ÖVP-Chef einen sehr tüchtigen Schutzheiligen.

Also dürfen zuerst einmal Baumärkte, Edelmetallhandel und "sonstige Betriebsstätten des Handels" aufmachen, allerdings nur Geschäfte bis maximal 400 Quadratmeter Verkaufsfläche. Shopping-Center bleiben dicht, Masken sind Pflicht - und mittlerweile in vielen Supermärkten kostenpflichtig, auch wenn das eigentlich vom Gesetzgeber nicht vorgesehen war, aber manchmal regelt es der Markt dann doch, meistens eher nicht im Interesse der Kunden.

Wo all die Menschen, die wieder ihre Arbeit aufnehmen werden, ihre Kinder betreuen lassen, ist eines von vielen Fragezeichen, die sich nach Ostern stellen. Der Schulbetrieb ist bis auf eine Notbetreuung eingestellt, Eltern können zwar, sollen aber eigentlich nicht ihre Kinder in die Schule schicken. Ähnliches gilt für Kindergärten. Wobei unter 6-Jährige von der Maskenpflicht in Märkten und öffentlichen Verkehrsmitteln ausgenommen sind, also offenbar nicht ansteckend sind. Oder?

Am Wochenende hatte der Public-Health-Experte Martin Sprenger angemahnt, man müsse transparenter erklären, warum welche Maßnahmen getroffen werden, und "nicht hinter verschlossenen Türen" entscheiden. Sebastian Kurz erklärte dazu nur, er höre "zum Glück nicht auf die falschen Experten". Am Mittwoch trat Sprenger dann aus dem Expertenstab des Gesundheitsministeriums zurück, auf eigenen Wunsch, wie er sagte.

Also kann er nicht mehr über die Zahlen beraten, die eine repräsentative Stichprobe nun ergab: In Österreich waren Anfang April zwischen 10.200 und 67.400 Menschen mit dem Virus infiziert. Der wahrscheinlichste Wert sei 28.500, sagten die Autoren der Studie. Gut zu, nun ja, wissen.

*Datenschutz

 

fundstück.neu.6.jpg

"Ich fürchte, dass das Verfahren in Tirol nicht in guten Händen ist." Peter Kolba, Verbraucherschutzanwalt

Die deutsch-österreichischen Beziehungen werden durch Corona auf eine harte Probe gestellt. Siehe die diplomatischen Unstimmigkeiten über die festgesetzen LKW mit Schutzmasken an der Grenze vor einigen Wochen.

Aber denken wir auch an die zwischenmenschliche Ebene: Zahlreiche grenzüberschreitende Liebespaare müssen sich plötzlich mit dem eher unromantischen Vorwurf des "illegalen Grenzübertritts" herumschlagen.

Und die platonische deutsch-österreichische Freundschaft? Endet beim Geld, und damit wären wir, wie so oft in den letzten Wochen, in Ischgl, wo bis vor einem Monat noch sehr viele Deutsche ihr Geld im "Kitzloch" und anderen Aprés-Ski-Bars verteilten. Und alles, was sie aus dem Urlaub heimbrachten, war dieses vermaledeite Virus. In Österreich, das hat die staatliche Gesundheitsagentur AGES herausgefunden, lassen sich unfassbare 57 Prozent aller Corona-Fälle auf das kleine Alpendorf zurückführen.

Der Verbraucherschutzverein Österreich plant nun eine Sammelklage gegen die Tiroler Behörden, die Warnungen ignoriert und den Skibetrieb zu lange aufrecht erhalten haben sollen. 4500 Menschen hätten sich schon gemeldet, sagte Obmann Peter Kolba der "Passauer Neuen Presse", 75 Prozent davon seien Deutsche. Die meisten Menschen würden sich eine Entschuldigung erwarten, einige aber auch Schadensersatz für den Verdienstausfall.

Was die Erfolgsaussichten angeht, ist der Ex-Nationalratsabgeordnete skeptisch - wenn Gerichte in Tirol die Klage verhandeln. "Mir beschreiben viele Tiroler, dass dort ein besonderer Filz herrscht zwischen Politik und Seilbahngesellschaften, die eine starke wirtschaftliche Macht darstellen", sagte er im "Standard". "Ich fürchte, dass das Verfahren in Tirol nicht in guten Händen ist." Deswegen will er das Verfahren nach Wien verlegen, am besten in die Hände der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Das wäre eine Belastungsprobe auch für die innerösterreichischen Beziehungen.

k-k.neu.jpg

++ Stand Freitag 8 Uhr verzeichnet Österreich 13.271 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 319 Menschen an Covid-19 gestorben. ++ Der Linzer Stahlgigant Voestalpine rutscht wegen der Corona-Krise tiefer ins Minus als erwartet. Der Konzern erwartet für das Geschäftsjahr 2019/20 einen operativen Verlust von 135 Millionen Euro. ++ In Österreichs Fußball-Bundesliga stehen die Zeichen auf Saisonabbruch. Würde die Tabelle Stand jetzt gewertet, wäre zum ersten Mal seit 2013 nicht Red Bull Salzburg Meister - sondern der LASK aus Linz mit Werder-Legende Valérien Ismaël als Trainer. Nächste Woche halten Verband und Liga die entscheidenden Sitzungen ab. ++ Weil im Süden und Osten des Landes teils nur halb so viel Niederschlag gefallen ist wie üblich, kämpfen einige Regionen mit extremer Trockenheit und Waldbränden. In Wien gilt Rauchverbot auf der Donauinsel; in der Steiermark, im Burgenland, in Niederösterreich und Tirol sind Osterfeuer verboten. ++ Aus der Reihe "Bitte nicht das auch noch": Der ORF produziert eine neue Version von "We are the World", gesungen von den vier letzten Songcontest-Vertretern Österreichs (wen es interessiert: Nathan Trent, Cesar Sampson, Paenda und Vincent Bueno). Die Einnahmen kommen dem Kulturkatastrophenfonds zugute. ++

Apropos Kultur und Katastrophe: Das Werk der Stunde ist Albert Camus' "Die Pest". Wenn auch ihre Buchhandlung des Vertrauens kein Exemplar mehr verfügbar hat - hören Sie doch in die Marathonlesung bei FM4 hinein. Ab dem heutigen Karfreitag 12 Uhr lesen 120 sehr (Elfriede Jelinek, Josef Hader, Armin Wolf) bis relativ bekannte ÖsterreicherInnen das komplette Buch. Wenn sie zwischendurch eine Pause brauchen, kein Problem - die insgesamt rund zehn Stunden werden einen Monat lang abrufbar bleiben.

Wenn Sie Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen loswerden möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de