Pressestimmen

MH17 vermutlich abgeschossen "Eine furchtbare internationale Dimension"

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Nach dem Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine wird vermutet, dass das Flugzeug von einer Buk-Rakete getroffen wurde. Telefonmitschnitte sollen beweisen, dass pro-russische Separatisten für den Anschlag verantwortlich sind. Für die deutsche Presse ist klar, wer die Verantwortung für das Unglück trägt.

"Zweihundertachtundneunzig Menschen sind am Donnerstag Opfer eines Konflikts geworden, mit dem sie überhaupt nichts zu tun hatten", bedauert die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Vielleicht wurden Passagiere und Besatzung Opfer einer Verwechslung, vielleicht glaubten die Täter, es handle sich um ein ukrainisches Militärflugzeug, das sie für ein weiteres legitimes Ziel hielten. Fest steht: 298 Menschen leben nicht mehr; ein schlimmer regionaler Konflikt hat eine neue, furchtbare internationale Dimension bekommen."

"Trotz aller Desinformation, trotz aller Propaganda, trotz aller Vertuschungen und trotz all der Lügen: wer auch immer geschossen hat, es war vermutlich nicht geplant, das malaysische Passagierflugzeug mit der Flugnummer MH17 abzuschießen", stellt die Stuttgarter Zeitung fest: "Das freilich macht die Sache nicht besser. Es ist nur verständlich, dass der Ruf nach Konsequenzen erschallt. Damit ist weit mehr gemeint als die lückenlose Aufklärung des Abschusses, die alle fordern und die viele zu behindern wissen. Es muss darum gehen, auch dem täglichen Irrsinn ein Ende zu setzen. Der Schlüssel dazu liegt in Moskau."

"Die Flugzeugkatastrophe und die weltweite Empörung darüber setzt auch Wladimir Putin unter Druck", stellt die Chemnitzer Freie Presse fest: "Urplötzlich ist die regionale Krise im internationalen Fokus. Zu viele Amerikaner, Franzosen, Deutsche und vor allem Niederländer sind unschuldig ums Leben gekommen, als dass er jetzt noch mit den Mitteln der regionalen Nadelstiche seinen Einfluss im Nachbarland sichern könnte. Zumal es so scheint, als ob er die separatistischen Geister, die er rief, nicht mehr unter Kontrolle hat. Offenbar hat auch Moskau keinen Plan, wie es in der Ukraine weitergehen soll. Putin ist in einer Sackgasse."

"Sollten die Separatisten die Täter sein, dann trägt der Kreml ein hohes Maß an Schuld für das Verbrechen, das einem Massenmord gleichkommt", meint die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg: "Ein Großteil der Opfer, darunter viele Kinder, stammt aus westlichen Staaten, die meisten aus den Niederlanden. Es gibt keine Toten erster und zweiter Klasse. Dennoch könnte die eigene Betroffenheit manchen Politiker im Westen aufrütteln. Viel zu lange haben die Verantwortlichen in Berlin, Brüssel und Washington gezögert. Es wird höchste Zeit für Wirtschaftssanktionen. Putin kann kein Partner mehr sein."

Der Mannheimer Morgen sieht das ähnlich: "Obwohl der Bürgerkrieg vor ihrer Haustür abläuft, hat die EU - noch mehr als die USA - harte Sanktionen gegen Russland aus Rücksicht auf ihre Wirtschaft gescheut. Das war falsch. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass die Waffen in der Ukraine schweigen müssen und Moskau die Separatisten zur Ordnung zu rufen hat. Es gibt weder im Süden noch im Osten der Ukraine eine Mehrheit für eine Abspaltung. Bei den Rebellen handelt es sich überwiegend um verbohrte Desperados, die die Menschen mit Gewalt terrorisieren. Wer die Separatisten wie Putin unterstützt, trägt die Mitverantwortung - auch für den Abschuss der Boeing."

Auch die Frankenpost aus Hof ist der Ansicht: "Wer immer auch den Knopf auf wessen Betreiben hin gedrückt und die Rakete auf das Flugzeug gelenkt hat: Einen großen Teil der Verantwortung an diesem Verbrechen gegen die Menschheit trägt aber - leider - die Weltgemeinschaft selbst. Über Monate hinweg hat man schweigend und unentschlossen zugesehen, wie sich die Lage in der Region zuspitzt. Mit windelweichen Sanktionen wurde nichts erreicht. Die Schuldigen sitzen auch in Brüssel und bei der UNO. Auch sie müssen sich der Verantwortung für den 298-fachen Tod stellen."

Zusammengestellt von Laura Kleiner

Quelle: ntv.de

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