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Was bringt's? 100 Tage Gesetz für Lohntransparenz

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Einzelne Kollegen gezielt nach ihrem Gehalt zu fragen, ist ein Weg zur Transparenz.

imago/Eibner

Viele Frauen bekommen weniger Gehalt als Männer - nicht selten für die gleiche Arbeit. Um dies zu ändern, wurde das Entgelttransparenzgesetz ins Leben gerufen. Eine Umfrage zeigt, ob Beschäftigte ihre Arbeitgeber diesbezüglich in die Pflicht nehmen.

Das Entgelttransparenzgesetz ist heute 100 Tage in Kraft. Seitdem haben Beschäftigte einen Auskunftsanspruch darüber, was der Kollege oder die Kollegin verdient. Um eventuelle Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung von Männern und Frauen für die vergleichbare Arbeit in Erfahrung zu bringen, muss der Arbeitgeber auf Anfrage darüber Auskunft geben.

Allerdings hat das Gesetz so seine Tücken, denn der Arbeitgeber muss insgesamt mehr als 200 Angestellte haben. Und es muss mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Kleinere Betriebe sind nicht in der Pflicht. Zudem ist es nicht möglich, per Entgelttransparenzgesetz zu erfahren, wie viel Gehalt einem bestimmten Kollegen gezahlt wird. Auskunft muss lediglich darüber erteilt werden, wie hoch der Mittelwert der Bruttogehälter ist, welche für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt werden. 

Doch abgesehen solcher Einschränkungen - wie kommt das Gesetz bei Beschäftigten an? Um diese Frage zu beantworten, hat das Vergleichsportal Gehalt.de in Kooperation mit den Vergütungsanalysten von Compensation Partner eine Umfrage unter 1862 Beschäftigten und 319 Unternehmen durchgeführt.

Ergebnis: Ein Drittel der Befragten möchte zukünftig von ihrem neuen Recht Gebrauch machen und ihr Gehalt firmenintern vergleichen lassen. Gleichwohl bezweifelt ein Großteil der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dass das neue Gesetz die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen signifikant reduzieren wird. 

Mehr als die die Hälfte mit Gehalt zufrieden

Bisher haben laut der Untersuchung gerade einmal zwei Prozent der Beschäftigten ihre Stelle mit anderen Profilen verglichen. Davon waren aber nur 14 Prozent mit dem Ergebnis zufrieden. Grund hierfür war meist eine geringe Aussagekraft des Vergleichs. Fast ein Viertel der Unternehmen berichtete, dass Mitarbeiter bereits Anträge eingereicht hätten.

Ein Drittel aller Arbeitnehmer will zukünftig eine Auskunft einfordern. 39 Prozent der Befragten ziehen es in Erwägung und 28 Prozent schließen dies aus. "Diese Zahlen zeigen, dass die Beschäftigten sich in Zeiten des Fachkräftemangels ihrer Rechte bewusst werden und diese auch nutzen wollen. Zukünftig wird die Bezahlung insgesamt fair sein müssen", so Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Allerdings gibt es mehrere Gründe, die gegen eine Nutzung des neuen Gesetzes sprechen können. So gaben 30 Prozent der Arbeitnehmer, die das Gesetz nicht oder nur vielleicht nutzen wollen, an, dass sie die Gehälter der Kollegen bereits kennen würden. 24 Prozent sorgen sich hingegen um ihr Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber, obwohl die Anfragen anonymisiert werden.

Zudem bezweifeln viele Arbeitnehmer (39 Prozent) und Arbeitgeber (88 Prozent), dass durch das Gesetz Diskriminierung hinsichtlich des Gehalts verringert wird. Das Entgelttransparenzgesetz habe nicht genug Durchschlagkraft, da im Falle einer unfairen Bezahlung keine rechtlichen Konsequenzen drohen – dies bemängeln 32 Prozent der Arbeitgeber und 36 Prozent der Arbeitnehmer. "Die Bedeutung des Entgelttransparenzgesetzes wird sich jedoch nicht über rechtliche Konsequenzen definieren. Es besteht vielmehr eine wachsende Notwendigkeit, innerhalb der Betriebe nachvollziehbar und transparent zu bezahlen – denn auf diese Weise können Unternehmen ihre Mitarbeiter halten", meint Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner.

Bisher fühlt sich mehr als die Hälfte der Befragten grundsätzlich fair bezahlt. Unter den Frauen lag der Anteil bei 52 und unter den Männern bei 65 Prozent. Viele der Teilnehmer (56 Prozent) begründeten ihre Unzufriedenheit damit, dass Kollegen in ähnlichen Positionen ein höheres Gehalt bekämen.

Quelle: n-tv.de, awi

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