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Recht verständlich Altersdiskriminierung in Stellenanzeige?

Wer an Stellen an das Alter knüpft, setzt sich dem Vorwurf der Diskriminierung aus.

Wer Stellen an das Alter knüpft, setzt sich dem Vorwurf der Diskriminierung aus.

Gesucht wird: "Junior-Consultant" für die Arbeit "mit einem jungen dynamischen Team". Klingt erst einmal verlockend. Doch droht dem Arbeitgeber ob solcher Formulierung eine Entschädigungspflicht wegen Altersdiskriminierung?

Mit einer Stellenanzeige, die sich per se an jüngere Bewerber richtet, werden ältere Bewerber diskriminiert. Der Arbeitgeber verstößt damit gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und muss im Zweifelsfall Schadensersatz und Entschädigung zahlen. Dies hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden (8 AZR 406/14).

Nach Auffassung der Richter stellt die Passage in einer Stellenausschreibung, nach der dem Bewerber eine Tätigkeit in einem professionellen Umfeld "mit einem jungen dynamischen Team" angeboten wird, eine unmittelbare Diskriminierung wegen des Alters dar. Eine derartige Formulierung kann demnach ausreichen, um die Beweislast dafür, dass die Nichtberücksichtigung auf objektive Kriterien außerhalb des Alters zurück zu führen war, auf den Arbeitgeber zu verlagern. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wird dann eine verbotene Altersdiskriminierung - bis zum Beweis des Gegenteils - erst einmal vermutet. Hat der Arbeitgeber dann zum Beispiel keine ausreichenden Unterlagen mehr und kann das Gegenteil nicht beweisen, muss er Schadensersatz und Entschädigung leisten.

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Dr. Alexandra Henkel MM, Partnerin FPS.

Das BAG sah - anders als noch die Vorinstanz - die Passage in der Stellenbeschreibung nicht nur als Beschreibung des "Istzustands" an, dass die derzeitigen Teammitglieder jung und dynamisch sind. Sondern der Arbeitgeber bringe damit zum Ausdruck, dass er auch genau solche "passenden" Bewerber/-innen zur Teamverstärkung suche. Damit unterscheide er direkt nach dem Alter.

Auch die Suche eines "Junior-Consultant" an sich ist nach Meinung der Bundesrichter rechtlich nicht unproblematisch. Der Arbeitgeber hatte hier argumentiert, dass damit lediglich auf eine untere Hierarchiestufe wegen geringerer Berufserfahrung im Vergleich zu "Senior-Consultants" verwiesen werde. Das BAG entschied hier, dass aber auch das Kriterium Berufserfahrung mittelbar mit dem Alter verknüpft sei und ein Indiz für eine Diskriminierung darstellen könne. Daran ändere es nichts, dass es gelegentlich – aber eben gerade nicht typischerweise – auch Quereinsteiger gebe.

Geklagt hatte hier ein 42-Jähriger, der Schadensersatz und eine Entschädigung in Höhe von 16.000 Euro verlangte. Das Bundesarbeitsgericht hat an die Vorinstanz, das Landesarbeitsgericht, das die Klage abgewiesen hatte, zur weiteren Aufklärung zurück verwiesen. Für den Arbeitgeber kommt es nun darauf an, ob er entweder nachweisen kann, dass es einen nach dem AGG zulässigen Grund für die Differenzierung nach dem Alter in der Stellenausschreibung gibt, oder zumindest Tatsachen vortragen und beweisen kann, die ausschließlich aus anderen als den Altersgründen dazu führten, dass der Kläger nicht berücksichtigt wurde.

Dabei stellte das BAG ausdrücklich klar, dass es nicht ausreichen würde, wenn der Arbeitgeber nachweisen könnte, dass er vor oder nach diesem Auswahlverfahren ältere Mitarbeiter/-innen eingestellt hat, oder in dem fraglichen Bereich auch ältere Personen beschäftigt werden. Denn beide Umstände würden nichts über das hier im Streit stehende Auswahlverfahren sagen.

Der Kläger war in diesem Prozess kein Unbekannter, sondern führte bereits mehrere Entschädigungsprozesse und ließ sich durch einen verwandten Rechtsanwalt vertreten, der sich auf AGG-Ansprüche spezialisiert hat. Das Gericht führte hierzu aber aus, dass allein diese Umstände nicht dazu führen, dass der Kläger hier rechtsmissbräuchlich handelt. Allein aufgrund dessen könne nicht angenommen werden, dass er nur die Entschädigung und nicht die Stelle wollte.

Rechtsanwältin Dr. Alexandra Henkel MM ist Partnerin der Kanzlei FPS.

Quelle: n-tv.de

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