Ratgeber

Basiskonten im Finanztest Arme zahlen viel mehr

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Verweigert werden darf das Basiskonto nur in seltenen Fällen - zur Abschreckung wird bei den Gebühren hingelangt.

(Foto: imago/McPHOTO)

Jeder hat das Recht auf ein Girokonto. So sollen auch Menschen ohne Einkommen oder festen Wohnsitz am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilnehmen können. Doch ausgerechnet bei Basiskonten langen die Geldinstitute bei den Gebühren kräftig zu. Bis zu 250 Euro sind so fällig, wie Finanztest bemängelt.

Eigentlich sollen Basiskonten auch wirtschaftlich schwachen Menschen den Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen. Das ist seit 2016 Gesetz. Doch ausgerechnet die Armen müssen für das Girokonto unverhältnismäßig viel bezahlen, wie eine aktuelle Untersuchung durch Finanztest von 124 Basiskonten bei Banken festellen musste. So kostet die Kontoführung bei den teuersten Geldinstituten in der Filiale für den Modellkunden weit über 200 Euro im Jahr.

Teilweise sind die Basiskonten sogar noch teurer als bei der letzten Untersuchung von Finanztest vor zwei Jahren. Vor allem die Kosten für den monatlichen Grundpreis oder die Überweisung per Papier sind gestiegen.

60 Euro Jahresgebühr akzeptabel

Das teuerste Basiskonto im Test hat die Salzlandsparkasse, dicht gefolgt von der Targobank. Bei beiden Banken kostet das Basiskonto für den Modellkunden der Stiftung rund 250 Euro pro Jahr. Bei der Targobank sind das knapp 90 Euro mehr als in der Vorgängeruntersuchung. Für den Modellkunden sehr teuer sind auch die Sparkasse Holstein mit einem Jahrespreis von rund 235 Euro und die Hannoversche Volksbank mit 226 Euro.

Laut "Finanztest" sind für ein normales Girokonto 60 Euro Jahresgebühr akzeptabel. Die Banken begründen die hohen Kosten gerne mit einem höheren Aufwand. So sei die Kontoeröffnung aufwendiger, weil die Prüfung der persönlichen Daten oft länger dauere. Dass es auch anders geht, zeigen zwei regionale Banken. So erheben die PSD Karlsruhe Neustadt und die Sparda Baden-Württemberg überhaupt keine Gebühren. Und bei immerhin 47 Banken müssen zahlungsschwache Kunden weniger als 100 Euro pro Jahr berappen.

Übrigens: Verweigern darf die Bank die Kontoeröffnung nur in seltenen Fällen. Beispielsweise dann, wenn der Verbraucher bereits ein Konto bei einer anderen Bank in Deutschland führt. Und auch gekündigt werden darf ein Basiskonto nur unter strengen Voraussetzungen. Im Streitfall können sich Verbraucher kostenlos an den Ombudsmann des jeweiligen Verbandes wenden.

Schwachstelle im Gesetz

Um finanziell schwache Verbraucher besser zu schützen, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine klare gesetzliche Kostendefinition für Basiskonten. "Basiskonten sollen sicherstellen, dass alle Verbraucher Zugang zu einem Konto und bargeldlosem Zahlungsverkehr haben. Die Banken müssen ihre Preise für Basiskonten an den Preisen normaler Konten anlehnen", fordert Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt im vzbv.

Sie verweist auf eine Unschärfe im Zahlungskontengesetz. Darin ist lediglich von einem "angemessenen" Entgelt für ein Basiskonto die Rede. "Diese Schwachstelle führt dazu, dass die Gebühren immer höher werden. Damit haben Menschen jetzt zwar einen Rechtsanspruch auf ein Konto, können es sich womöglich aber kaum leisten", so Mohn. "Institute können sich durch teure Angebote von ihrer Pflicht zum Basiskontoangebot faktisch befreien", kritisiert Mohn.

So klappt der Kontowechsel

Quelle: n-tv.de, awi